Mama zu Besuch - Lake District: Windermere

Am Freitag, 20.06.08, eilte ich nach der Schule gleich zum Bahnhof, um meine Mutter in Empfang zu nehmen! *freu* Zusammen hievten wir ihren schweren Koffer zum Taxi, das uns bis vor die Toreinfahrt zu unserem Haus fuhr. Schuld am Gewicht waren die ganzen „typisch deutschen Süßigkeiten“ sowie andere Geschenke, die ich hier in Rugby zum Abschied unter die Leute bringen möchte.

Ich zeigte Mama die Wohnung und dann packten wir gemeinsam aus, bevor wir zu einer kleinen Schultour aufbrachen. Wir gingen natürlich auch ins department, wo wir Wendy, Fiona und Chantal trafen, die sich alle sehr freuten, „Irene's Mum“ kennenzulernen.
Zum Abendessen durften wir nach Rupert Brooke kommen, damit Mama gleich weitere wichtige Menschen meiner Umgebung treffen konnte: Jan und Colette. Mindy und Kate (Mathelehrerin) rundeten unser Grüppchen ab und es war total nett – wie immer.

Am Restabend packten wir noch fürs Wochenende und gingen spät in die Betten.
Um kurz nach 7h fuhr unser Zug in Richtung Lake District. In Oxenholme mussten wir umsteigen und waren um 10h schon in unserem B&B in Windermere. Wir hatten allerdings ein großes Problem: Regen! Wir frühstückten erst mal schön zusammen, kauften uns schon mal was fürs spätere Essen und nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, gingen wir mit Regenschirmen und meinem Stadtplan bewaffnet los. Nach etwa einer halben Stunde Wanderung, wobei wir in ein paar Geschäfte hineinschauten, waren wir in Bowness on Windermere am riesigen Lake Windermere angekommen.

Der Windermere ist der größte natürliche See in England. Er liegt vollständig im Lake District-Nationalpark in der Grafschaft Cumbria. Diese Gegend ist schon seit Mitte des 19. Jh. eine der beliebtesten englischen Ferienregionen (da wurde nämlich die Bahnstrecke zwischen Kendal und dem Ort Windermere fertiggestellt).
Der See ist 17km lang, an manchen Stellen 400m und an anderen 1500m breit und die maximale Tiefe beträgt 65m. Was ich sehr interessant finde, ist, dass der See einer der wenigen des Landes ist, bei denen merklich Gezeiten stattfinden.

Nun gut. Wir entschieden uns jedenfalls spontan dafür, eine Bootstour zu machen und dem Regen zu trotzen. Glücklicherweise hatten wir ein Boot, das komplett überdacht und mit Fenstern ausgestattet war, so dass es sich sogar als sehr angenehm herausstellte. Wir fuhren nach Ambleside am nördlichen Ende des Sees und wieder zurück.

Nach unserer etwa 80minütigen Fahrt schauten wir uns im Touristeninformationszentrum einen Film über die Vegetation hier und den See an und danach liefen wir wieder nach oben zurück in die Stadt und kamen patschenass im B&B an. Puh! Gott sei Dank hatten wir genug Klamotten zum Wechseln mitgebracht. Nur die Jacken und die durchgeweichten Schuhe machten uns etwas Sorgen, aber zum Glück hatte Mama geistesgegenwärtig die Hünfelder Zeitung mitgebracht und wir konnten sie in die Schuhe stopfen. *g*

Als wir wieder recht getrocknet waren, aßen wir zu Abend und machten uns eine kuschlige Restzeit im Zimmer, bevor wir relativ früh schlafen gingen. Hoffentlich kriegen wir keine Erkältung...

2.7.08 22:15, kommentieren

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Eton und Windsor

Am nächsten Morgen düsten Maike und ich ganz Eton-like in ausschließlich schwarz-weiß zum „Chambers“, einer Lehrerversammlung, die täglich abgehalten wird.
Der Schuldirektor leitet das meeting, es werden wichtige Dinge angesprochen oder announcements gemacht. In Rugby haben wir auch so etwas, das SCR meeting, das aber nur jeden Mittwoch stattfindet.
Ich fühlte mich jedenfalls sehr geehrt, das ganze mitkriegen zu dürfen, da es eigentlich ausschließlich für Lehrer des Eton College ist und ich als normaler Gast dort nicht hätte dabei sein können, wenn Maike mich nicht unauffällig hineingeschmuggelt hätte.

Im Anschluss führte mich Maike in die größere der beiden Kapellen der Schule, die seghr hübsch ist. Sie beeindruckte mich aber weniger als die Rugby School Chapel, da in „unsere“ Kapelle alle Schüler und Lehrer, also mehr als 1000 Leute passen, während in Eton nur 300 oder 400 Schüler in einer Chapel sitzen können. In der Rugby School ist die Chapel allerdings auch entscheidend für die Anzahl der Schüler, da eben einfach nicht mehr Leute hineinpassen und die Schule will, dass immer alle gemeinsam dort sitzen können. Eton hat in diesem Sinne keine so starke Beschränkung und daher gibt’s dort auch über 1200 Schüler.

Nachdem ich nun auch noch die Einritzungen der Prinzen William und Harry gesehen hatte (Schüler ritzen ihre Namen ein, bevor sie die Schule verlassen), zeigte mir Maike auch noch die Bibliothek und bald darauf gingen wir ins Language Department, wo ich einer Deutschstunde des C-Blocks (Eton Bezeichnung für unsere LXX, also die Lower Sixth) beiwohnen durfte.
In der Stunde ging es um Brecht und die Schüler begannen, das Leben des Galilei zu lesen. Ihr Deutsch fand ich aber schlechter als das meiner Schüler, und auch der Lehrer sprach meiner Ansicht nach ein schlechteres Deutsch als Crispin, Jonathan und Alison an der Rugby School – obwohl ich das eigentlich nicht beurteilen darf, da er in der Stunde fast kein Deutsch gesprochen hatte (was ich aber generell nicht gut finde).

Nach der Stunde gingen wir kurz der Französin (Lucie) guten Morgen sagen und uns anschließend in Maikes Haus umziehen. Wir zwei spazierten dann in der Sonne durch Eton nach Windsor, wo ich mir (von außen) das Schloss anschaute und durch die Stadt geführt wurde. Sie besteht allerdings fast nur aus Geschäften und Restaurants. Wir grasten die meisten Cafés nach Sandwiches ab und fanden schließlich leckere Salate, mit denen wir uns auf einer Treppe niederließen. Yummie!

Später holten wir uns im McDoof noch ein Mc Flurry mit Oreo Keksen – LECKAAA!! – und setzten uns an die Themse, bevor wir diese überquerten und zurück nach Eton liefen. Dort holten wir Lucie ab und ich assistierte den beiden bei Videoaufnahmen. Sie machen ein Video für die russische Assistentin, da die als erste gehen wird. Es machte viel Spaß, aber trotzdem musste ich gegen 17h thank you and good bye sagen, da um 17.30h mein Zug in Windsor fuhr und da musste ich ja erst wieder hinlaufen. 

Ich musste in Slough und in London umsteigen und war um 19.45h in Rugby am Bahnhof. Ich hetzte so schnell wie möglich die 15 Minuten den Berg hoch bis zum Horton Crescent und so verpasste ich nur den Anfang des Viertelfinals der EM Deutschland gegen Portugal. Das Spiel war super und ich feierte alle Tore lautstark mit (Maria war ganz schockiert von meiner Fußballbegeisterung, was mal wieder zeigt, dass sie mich überhaupt nicht kennt).

Gegen 22h kam Maries Tante Pascal an. Es hatte mich schon etwas angekotzt, dass sie ausgerechnet zur selben Zeit kommen musste wie meine Mutter, aber ich konnte ja leider nichts dagegen sagen. Da sie aber nun schon ankam, hatte Marie das Gästezimmervorrecht und gab Pascal natürlich das große Zimmer oben, das direkt zwischen unseren Zimmern liegt. Daher bezog ich das Gästebett unten, in dem ich dann schlafen werde, weil ich meiner Mama nicht antun möchte, direkt neben dem Wohnzimmer schlafen zu müssen, wo Maria von früh bis spät vor der Glotze liegt.

Später ging ich voller Vorfreude auf Freitag in mein Zimmer und schlief ziemlich bald. Herrlich.

2 Kommentare 1.7.08 12:53, kommentieren

Maike in Rugby, Irene in Eton

Maike und ich hatten uns bisher erst ein Mal gesehen beim Treffen der diesjährigen Frankfurter England-assistants in Frankfurt und das war schon eine Weile her gewesen (lange vor unserer Abreise). Nachdem ich ihr an diesem Dienstag, 17.06., unsere Wohnung gezeigt hatte, führte ich Maike durch die Schule und wir schauten die wichtigsten Gebäude an.

Am Abend gingen wir nach Griffin zum Essen und zu meiner anschließenden vorgezogenen duty night, bei der Maike das Leben und Arbeiten in einem Mädchenhaus kennenlernen konnte, da sie mit mir kam, wenn ich mit jeder Schülerin sprach während meiner Schüler-Check-Rundtour durchs Haus.
Sie erzählte mir dabei, dass sie in Eton überhaupt nicht in das normale Leben der Schüler eingebunden ist. Die assistants dort müssen keine duty night machen, gehören nicht zu einem Haus und haben mit den Schülern außerhalb der Stunden nichts zu tun. Auch die Stunden liegen oft außerhalb der Schulstunden und die Schüler kommen in das persönliche study der Assistentin, das im Wohnhaus liegt.
Maike wohnt mit drei anderen Lehrern zusammen in einer sogenannten Colony, die auch ihren eigenen Koch (daher gehen sie auch nicht ins Boardinghouse essen) und eine eigene Putzfrau hat! Was für ein Luxus! Obwohl die assistants nicht zusammen leben, hängen sie fast nur zusammen herum und daher kennen viele Lehrer Maike nicht mal.

Zudem erfuhr ich, dass sie nicht nur seit 2 Monaten so gut wie keine Arbeit mehr hast, sondern auch fast 300 Pfund mehr monatlich verdient als ich und Stunden mit den native speakers auch noch extra bezahlt werden (was hier in Rugby eine meiner Hauptaufgaben war, aber natürlich nicht extra entlohnt wurde).

Trotzdem muss ich sagen, dass Geld nicht alles ist. Ich habe lieber Kontakt zu vielen Lehrern und ein gutes und enges Verhältnis zu meinen Schülern.
Bezeichnend war, als wir einen Schüler, der zwar nicht mein Schüler ist, mit dem ich mich aber immer unterhalten habe, da er Deutscher ist, heute zusammen in der Stadt trafen: Wann immer wir uns sehen, will er mich umarmen, aber Lehrer dürfen Schüler eigentlich nicht anfassen, also theoretisch nicht mal auf die Schulter klopfen oder so was (obwohl sich daran wohl keiner hält). Er wollte mich jetzt natürlich auch unbedingt umarmen, da er nun in der XX (Abschlussjahr) ist und sowieso 2 Tage später bis zum Leavers' Ball weg wäre und ich ließ mich dann schließlich auch in den Arm nehmen. Davon war Maike absolut fasziniert, weil bei ihr eine freundliche Geste eines Schülers bedeutet, dass er sie auf der Straße nicht ignoriert, sondern sie wenigstens ansieht oder mal grinst (nicht mal Lächeln). So krass! Ich wäre wohl nicht glücklich geworden in Eton, denn etwas Menschlichkeit brauche ich auf jeden Fall. Und ob ich beim Unterrichten von ausschließlich Jungs „meine Erfüllung“ gefunden hätte, weiß ich auch nicht. Ich bin froh, in Rugby zu sein!

Am Dienstabend nach meiner duty night gingen wir zwei noch ins Merchant's und quatschten. Wir verstanden und super und entdeckten viele Gemeinsamkeiten, unter anderem unsere Fußballliebe und unsere Begeisterung für Christoph Metzelder. *schmacht*

Am Mittwochmorgen nahm ich meinen Gast mit in meine Stunden mit E-Block, LXX und meinem kleinen F-Block und mittags durfte Maike mit mir nach Stanley kommen, um die Atmosphäre in einem Haus, das nur für Oberstufenmädchen ist, kennenzulernen.
Bald danach packte ich und wir fuhren zusammen in ihrem Auto nach Eton.

In Eton angekommen zeigte mir Maike das riesige Haus, in dem sie ihr eigenes Zimmer, eigenes Arbeitszimmer und eigenes Bad hat. Wow! Sie führte mich dann durch die Schule, die flächenmäßig kaum größer als die Rugby School ist, obwohl ich immer dachte, Eton sei viel größer. Wir spazierten durch einen mega-Privatgarten, wo Maike mehr oder weniger heimlich rauchte (sie ist Raucherin) und ich die Blumen bewunderte. Wahnsinn! Der Garten ist nur für Lehrer und Oberstufenschüler.

Später holten wir die französische Assistentin ab und zogen zusammen los zu einer Eton-internen Party in einer anderen Colony. Es war kein Problem, mich einzuschleusen. Wir verbrachten einen coolen Abend mit anderen Lehrern und staff. Es gab leckeres Fingerfood, jede Menge Sekt und Pimms (ich liebe Pimms!) und ich unterhielt mich nett mit den anderen assistants (für Französisch, Spanisch, Russisch, Japanisch) und anderen Lehrern, die mich als Partygast ungefragt akzeptierten.

Wir gingen oft nach draußen, da alle assistants fast schon Kettenraucher sind (oh Mann!) und ich MUSSTE irgendwann einfach ein Foto von den Unmengen an Flaschen und Gläsern machen, die auf den Tischen standen. Gegen 1h lief ich mit Maikes Mitbewohner Matt zu der gemeinsamen WG zurück. Maike wollte mich gerade bringen, aber da wir dann Matt sahen und sie eigentlich noch bleiben wollte, schloss ich mich ihm einfach an.

Ich hatte ein sehr großes, schönes Gästezimmer mit Blick auf die größere der beiden Chapels der Schule – und ich schlief sehr bald, der Alkohol zeigte Wirkung.

1 Kommentar 27.6.08 19:25, kommentieren

Goodbye Ireland

Am Montag, 16.06.08, stand ich um 5.30h auf, da mir voller Panik 20 Minuten vor dem Wecker eingefallen war, dass ich meine Reference No. fürs ryanair-Ticket gar nicht mehr hatte. Ich begann also wie blöd meine Sachen zu durchforsten und ich konnte den Zettel nicht finden.
Um 6.30h verließen wir zwei das Hostel und mit dem Bus waren wir schon um 7h am Flughafen, wo ich eincheckte. Natürlich fragte mich die Frau nach dieser Nummer (auf dem Hinflug hatte es keinen interessiert), aber als ich sie ihr nicht sagen konnte, gab sie mir trotzdem mein Flugticket. Komisch. Aber super!

Sylvia und ich frühstückten nun erst mal gemeinsam und verabschiedeten uns dann voneinander. Mein Flug war 2 Stunden früher als Sylvias, so dass ich lieber schon durch die Sicherheitschecks wollte. Es klappte alles ziemlich gut und ich hatte im Flieger wieder einen Fensterplatz.

Der Flug dauerte nur 50 Minuten, in Birmingham bekam ich gleich einen Zug nach Rugby und war um 11.40h schon in der WG, um auszupacken, die Massen an eMails zu checken, die ich erhalten hatte (ich glaube, es waren 45) und um gegen 13h zum Tutors' Lunch in mein Haus zu gehen. Danach hatte ich noch drei Stunden Schule, die ich normal absolvierte und so sofort wieder im Schulrhythmus war. Abends bereitete ich das Gästezimmer vor, da ich am nächsten Tag schon wieder Besuch bekommen sollte.

Mein Schulmorgen am Dienstag lief wie immer ab – ich musste nur zur Bursary, um einige Papiere abzugeben, die ich wegen der Exam-Beaufsichtigung hatte ausfüllen müssen – und am Mittag hatte ich sogar ein bisschen Zeit zum Blogschreiben. Und auch zum eMails lesen, was ich lieber nicht hätte tun sollen, da ich eine schlimme Nachricht aus meinem Freundeskreis bekommen hatte: Bei einem Freund von mir wurde MS diagnostiziert. Das hat mich total schockiert und ich war erst mal ziemlich fertig und habe mich gleich über die Krankheit informiert.
Viel Zeit hatte ich aber nicht, da ich u
m 16h Besuch bekam – es war gut so, denn dadurch wurde ich völlig abgelenkt.

Mein Besuch war Maike, die deutsche Assistentin des Eton College im Schuljahr 2007/08!
Ich hatte mit ihr um Ostern herum eMailkontakt aufgenommen und nach einigen Mails hatten wir uns auf diesen Termin geeinigt, um uns gegenseitig zu besuchen. Zuerst kam Maike also nach Rugby mit ihrem süßen Auto, das mit lauter Eintracht Frankfurt Memorabilia geschmückt ist.

27.6.08 19:17, kommentieren

Dublin

Unseren letzten richtigen Tag in Irland wollten wir endlich mal ganz in Dublin verbringen. Nach dem Frühstück machten wir uns daher auf den Weg zum Aston Quay, von wir einen Bus zum früheren Dubliner Gefängnis nahmen. Der Busfahrer war total nett und sagte uns Bescheid, wo wir aussteigen mussten und in welche Richtung es weiterging. Als ich nach dem Aussteigen in die falsche Richtung loslief (ich hatte nicht so ganz zugehört, da ich noch ein bissl schläfrig war), winkte ein Fahrgast wie verrückt von innen aus dem Bus, bis wir in die richtige Richtung abdrehten. *g* Echt so nett!

Wir fanden zuerst das Museum für Moderne Kunst, das aber noch geschlossen hatte. Das Gefängnis Kilmainham Gaol (es liegt im Dubliner Stadtteil Kilmainham) war angenehmerweise schon offen und wir durften gegen einen mikrigen Eintritt von 2,10 Euro gleich hinein. Wir schauten uns das informative Museum an, bis um 10.10h unsere einstündige Führung begann.

Das Gefängnis wurde 1796 erbaut und spielte in der Geschichte Irlands eine bedeutende Rolle, da hier viele irische Rebellenführer und nationalistische Politiker inhaftiert waren und zum Teil auch hingerichtet wurden. Nach der Unabhängigkeit Irlands wurde das Gefängnis im Jahr 1924 geschlossen. Der letzte Gefangene war Eamon de Valera. Nach der Schließung verfiel der Gebäudekomplex immer mehr und erst in den 60ern wurde den Dublinern die historische Bedeutung klar und das Gefängnis wurde komplett restauriert, um ein Museum bzw. eine nationale Gedenkstätte daraus zu machen.

Wir wurden zu winzigen Zellen, einer großen Zelle für einflussreiche Gefangene, einer riesigen Halle mit vielen kleinen Zellen auf 3 Ebenen geführt (diente schon oft als Filmkulisse), und auch zum Sonecrackers-Platz. Wir fanden alles total interessant!

Nach unserem Besuch fuhren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum, wo wir einen anderen Bus bestiegen, der uns bis genau vor die National Botanic Gardens of Ireland brachte. Wir besuchten den großen Botanischen Park, der wie der Palmengarten in Frankfurt viele Glashäuser mit unterschiedlichen Vegetationen beheimatet sowie auch so eine blumig-duftende Stadtluftalternative bot (toller Rosengarten z.B.). Nachdem wir eine Weile durch die Häuser gelaufen waren, rasteten wir auf einer Bank und aßen etwas zu Mittag. Wir bekamen Besuch von einigen Eichhörnchen, nach denen Sylvia absolut verrückt ist. *g* Während unseres anschließenden Spaziergangs durch den Park sahen wir immer wieder die flinken Squirrels.

Später verließen wir die Gärten und suchten nach dem großen Dubliner Friedhof, den wir einfach nicht finden konnten. Sylvia fragte gleich wieder irgendwelche Leute, die dann alle Menschen fragten, die uns entgegenkamen. Sie waren wirklich sehr engagiert, uns weiterzuhelfen und irgendjemand konnte uns schließlich die für unsere Beine niederschmetternde Auskunft geben, dass wir noch gut 20 Minuten laufen müssten.

Wir taten es und fanden tatsächlich den Friedhof, der uns durch seine Größe (er ist die größte Ruhestätte Irlands) und die riesigen „Grabverzierungen“ geradezu erschlug. Hier befinden sich über 1,2 Mio. Gräber! Und fast alle haben große Kreuze als Grabsteine, einige besitzen massige Statuen oder ganze Reliefs als Grabbauten! Unglaublich! Die Sonne ließ die überwiegend weißen oder hellgrauen Grabsteine erstrahlen. Wir blieben trotzdem nicht allzu lange – wer will schon lange auf einem Friedhof sein – und setzten uns in den nächstbesten Bus zurück ins Zentrum Dublins.

Dort nahmen wir wieder einen anderen Bus, der uns zur Christ Church Cathedral brachte. Wir konnten diese aber nicht besuchen, da gerade eine Ordination abging und außer einen „lila Pfarrer“, wie Sylvia so schön sagte, bekamen wir nichts Spannendes zu Gesicht. Wir suchten anschließend eine ganze Weile lang die Saint Patrick's Cathedral, in die wir einen Blick warfen. Beide Kathedralen sind anglikanisch, obwohl etwa 95% aller Iren katholisch sind.

Unser Dublintag war nun noch immer nicht zu Ende. Wir fuhren noch einmal ein ganzes Stück aus dem Stadtinneren heraus zum Geburtshaus Bram Stokers (Crescent 15). In der Nähe befand sich auch „The Bram Stoker Dracula Experience“, ein Museum über das Phänomen Dracula mit anschließendem „Geisterlaufen“ (wie eine Geisterbahn zum Durchlaufen also). Wir wurden zunächst über Bram Stokers Leben informiert.

Bram Stoker war bis zu seinem 8. Lebensjahr krank und konnte alleine weder stehen noch gehen. Diese traumatische Erfahrung spiegelt sich in seiner literarischen Arbeit wider. Ewiger Schlaf und die Wiederauferstehung der Toten, das zentrale Thema von Dracula, waren deshalb von großer Bedeutung für ihn.
Er wurde aber noch gesund (wie hätte er auch sonst den Roman schreiben können...) und war während seiner Studienzeit sogar Fußballer und Athlet. Nach seinem Studium der Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik am Trinity College studierte er in London Rechtswissenschaften und wurde Beamter in Dublin. Nebenbei arbeitete er aber auch als Journalist und Theaterkritiker. Nach seiner Heirat 1878 zog er mit seiner Frau nach London, wo er als Manager von Henry Irvings Lyceum Theatre arbeitete und so in die Londoner „High Society“ eingeführt wurde.
Auf Reisen traf Stoker 1890 einen ungarischen Professor, der ihm von der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. Draculea erzählte, aus dessen Charakter Stoker die Figur des Vampirs Dracula entwickelte. 7 Jahre lang werkelte Stoker am ersten Vampirroman der Weltliteratur. Bram Stoker erlebte den großen Erfolg seines Romans aber nicht mehr. Er starb in finanziell bescheidenen Verhältnissen 1912 in London.

Nach dem Museum, dessen Atmosphäre ständig von einem nach Grauen und Finsternis klingenden Gesang und Stöhnen untermalt wurde, liefen wir durch die verschiedenen Räume des „Horrorkabinetts“ und wurden einige Male auf ziemlich erschreckt.

Am meisten wurde Sylvia jedoch erschreckt, als wir vor einer kleinen Kinoleinwand standen und gerade überlegten, ob hier wohl ein Film gezeigt würde. Ein kleiner Mann mit Brille kam zu uns, um uns zu sagen, dass diese Leinwand außer Betrieb sei, und er tippte Sylvia an, woraufhin sie einen Riesenschrecken bekam und ich mich kaputt lachte.

Wir schauten uns den Film über Bram Stoker und Dracula im nächsten Minikino an und bestens informiert traten wir den „Heimweg“ an. Back in Dublin City Centre packten wir im Hostel unseren Kram, aßen etwas und gingen noch einmal raus ins große Pub an der Ecke. Dort stießen wir mit dem obligatorischen Guinness an, das wir ziemlich herunterwürgen mussten, da wir beide keine Bierfans sind. Wenigstens war die Stimmung im Pub urig mit traditionellen irischen Live-Musikern.

Apropos Musiker: Aus Irland stammen nicht nur die Schriftsteller Bram Stoker, Oscar Wilde, James Joyce, George Bernard Shaw und Jonathan Swift, sondern auch Musiker wie U2, Sinead O'Connor, der bereits erwähnte Bob Geldof oder diverse Boygroupmitglieder wie z.B. Ronan Keating. Das musste mal gesagt sein. *g*

Später im Hostel packten wir fertig und wollten eigentlich mal früher ins Bett gehen, aber es wurde trotzdem fast 0h.

2 Kommentare 27.6.08 18:36, kommentieren

Portmarnock und Malahide

Wie jeden Morgen frühstückten wir erst schön zusammen im Hostel und zogen dann los – wieder zu einer der unzähligen Bushaltestellen im Zentrum Dublins. Heute Vormittag führten uns unsere Pläne nach Portmarnock, eine nordöstlich von Dublin gelegene Stadt, die vor allem für ihren historischen Golfclub und für den benachbarten Golfplatz, der vom deutschen Golfer Bernhard Langer angelegt wurde, bekannt ist.

Da wir beide uns herzlich wenig für Golf interessieren, gingen wir lieber an der Küste entlang und vorbei an einem Genueserturm – Genuesertürme werden die an der Küste Korsikas erbauten Türme genannt, die am Anfang des 18. Jh. als Schutz vor den nordafrikanischen Piraten erbaut wurden. Dieser Turm hier ist natürlich eine irische Variante und soweit wir es erkennen konnten, wird er als Privathaus genutzt.

Vorbei an dem Turm führte uns ein kleiner Weg nach unten zum Meer, wo wir laaange spazieren gingen und nach Muscheln suchten. Außerdem hatten wir Pferde in der Ferne gesehen und wollten unbedingt dorthin, um vielleicht erfahren zu können, ob man hier Pferde mieten kann – Reiten am Strand wäre so cool gewesen, auch wenn ich schon ziemlich aus der Übung bin. Leider waren die Pferde aber verschwunden, bis wir an der Stelle ankamen, an der wir sie gesehen hatten. Schade. Aber es stellte sich dann doch als gut heraus, da wir uns sowieso verlaufen hatten und glaubten, hinter den Dünen, auf die wir zielsicher zusteuerten, die Straße mit einer Bushaltestelle zu finden. Doch da war nichts, nur Sand und Gras und ein Holzweg (im wahrsten Sinne des Wortes).

Dann schüttete es auch noch wie aus dem Nichts auf uns nieder. Gott sei Dank trafen wir zwei irische Frauen, die im Meer geschwommen waren und sich auf dem Weg zu ihrem Auto befanden. Sie waren superlieb und nachdem sie erfahren hatten, dass wir uns verirrt hatten, nahmen sie uns kurzentschlossen in ihrem Auto mit und brachten uns ein ganzes Stück weg zur nächsten größeren Bushaltestelle. Wir unterhielten uns nett im Auto und die beiden betrachteten „uns“ (also uns mitzunehmen) als ihre gute Tat des Tages. Sowieso muss ich sagen, dass die Iren alle total nett sind! Ein einziger Busfahrer war unfreundlich zu Sylvia gewesen, ansonsten legten sich alle immer sehr ins Zeug, freundlich zu sein. Die komischen Leute im Hostel waren leider keine Iren, das hat man gemerkt.

Nun gut, wir warteten dann an der Bushaltestelle und schafften es tatsächlich, nach über 20 Minuten Wartezeit in den falschen Bus zu steigen. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir erkannten, dass wir in die falsche Richtung fuhren und wir stiegen wieder aus mitten an einer vierspurigen Straße, die wir todesmutig ohne Ampel überquerten, um an der anderen Seite auf den richtigen Bus zu warten. Inzwischen schien die Sonne wieder und wir trockneten so langsam. Endlich kam ein Bus, mit dem wir nach Malahide fuhren.

Malahide ist ein Seebadeort nordöstlich von Dublin, der etwas anders als Portmarnock aussah. Hier gab es viele Geschäfte und Restaurants, einen Park und eine hübsche, nun in der Sonne glitzernde, Küste, die wir gleich bewanderten. Schließlich begaben wir uns auf die Suche nach dem bekannten Malahide Castle, das in einem 100 Hektar großen Park liegt.

Das Schloss stammt aus dem 11. Jh und wurde von 1185 bis 1976 stets von einer Familie bewohnt, den Talbots. Der letzte männliche Erbe starb überraschend mit ca. 60 Jahren und seine Schwester verkaufte daraufhin alles, um sich mit dem Geld in Australien abzusetzen. Sie lebt heute noch mit über 90 Jahren. Das County Dublin erwarb das Schloss und kaufte alle Möbel und Gemälde wieder zurück, die schon in andere Hände geraten waren.

Wir besichtigten das Schloss mit Führung und konnten so die hübschen uralten Möbel und die große Sammlung an Portraits usw. sehen. Die Privatgemächer, das (nachgestellte) Kinderzimmer und die tolle Empfangshalle, die die letzte in dieser Form erhaltene mittelalterliche Halle in Irland ist, sahen wirklich gut aus.
Nach unserem lohnenswerten Besuch verließen wir die Küstenstadt Malahide wieder und es ging zurück nach Dublin.

Dort kauften wir uns schon Kinokarten für den Abend, deckten uns mit etwas zum Essen im Aldi (!) ein, kochten schön in der geräumigen Hostelküche und genossen einen Moment Ruhe, in dem ich Postkarten schrieb. Um 20.25h düsten wir wieder los zum cineworld Kinopalast, einem Riesenkino mit 17 Leinwänden. Wir hätten auch erst später losgehen können, denn obwohl der Film um 21h losgehen sollte, dauerte die Werbung mindestens genauso lange wie in deutschen Kinos. Wir sahen „Gone Baby Gone“, der durchaus spannend war, aber auch viel American Slang beinhaltete, den wir nicht so toll fanden.

Nach dem Kino liefen wir ins Hostel und es ging wieder sehr spät in die Betten.

1 Kommentar 27.6.08 17:25, kommentieren

Freitag, der 13.06.08: Howth, Dublin, Dun Laoghaire

Gleich vorweg: Es ist heute nichts Schlimmes passiert, obwohl es Freitag, der Dreizehnte war.

Nach Aufstehen und Frühstücken sausten Sylvia und ich gleich los, um den richtigen Bus zu finden, der uns in die östlich von Dublin im nördlichen Teil der Halbinsel Howth Head gelegene Stadt Howth brachte.

Wir stiegen ganz oben auf dem Hügel aus, auf dem das Städtchen liegt und spazierten einfach mal nach unten in Richtung Meer. Natürlich verliefen wir uns und fanden auch das Schloss nicht, das es hier geben soll. Es ist allerdings sowieso in Privatbesitz und nicht zugänglich, so dass das nicht so schlimm war. Irgendwann hatten wir eine Kirche gefunden und Sylvia lugte hinein „Ah, ein Gottesdienst, der Pfarrer ist gerade bei der Predigt, wollen wir rein?“ und wir gingen hinein, setzten uns in eine Bank und plötzlich sah ich einen Sarg beim Altar stehen! Bizarr! Schnell wieder rausrennen konnten wir jetzt natürlich nicht mehr, aber die Trauerfeier schien schon ziemlich am Ende zu sein und es hatte draußen sowieso gerade begonnen zu regnen. Es würde mich durchaus interessieren, was die anderen Leute von uns gedacht haben – vielleicht grübeln sie immer noch, ob wir Erbschleicher sind oder so was.

Anyway, wir verließen die hübsche Kirche bald wieder und liefen zum Hafen.
Früher war Howth ein kleines Fischerdorf und nun ist die Stadt ein beliebtes Ausflugsziel der Dubliner geworden. Der Hafen sieht sehr idyllisch aus mit Yachten, Segelschiffchen und Fischerbooten und in der Nähe der Küste befindet sich eine Insel namens Ireland's Eye, ein Vogelschutzgebiet. Wir begnügten uns mit der Aussicht darauf, während wir am Pier entlang liefen bis zu einem kleinen Leuchtturm an der Spitze. Nach unserem Küstenspaziergang marschierten wir noch einmal ins Innere der Insel, um das Schloss zu sehen, aber wir fanden es wieder nicht trotz Straßenkarte. Wahrscheinlich ist das nur ein Mythos...

Gegen 13h nahmen wir einen Bus zurück nach Dublin, wo wir nach einem Snack in McDonalds und einem Strawberry Cheesecake Eis in Burger King (das mich „zuckerschockiert“ haben muss, denn danach war ich ganz aufgedreht und summte die ganze Zeit herum, arme Sylvia) am Fluss Liffey entlang schlenderten. Wir schauten uns das Rathaus von außen an und gingen weiter zum Dublin Castle, das wir noch besichtigen wollten. Allerdings durften wir nicht hinein, da sich dort ein riesiges Presseaufgebot und lauter nervös herumlaufende Leute befanden. Klar, alles wartete auf die Entscheidung bezüglich der Europaverfassung! Noch wusste allerdings niemand etwas und wir erfuhren auch erst später, das etwas mehr als die Hälfte der abstimmenden Iren NO gesagt hatte und somit Europa wieder in eine Krise stürzte.

Da wir nun das Schloss nur von außen ansehen konnten, verließen wir das Gebiet bald wieder und machten uns auf den Weg zum Trinity College.
Zufällig fanden wir die berühmte Statue der Molly Malone. Molly Malone ist ein bekanntes irischen Volkslied und eine inoffizielle Hymne der Stadt Dublin, auch bekannt unter dem Titel Cockles and Mussels (Herzmuscheln und Miesmuscheln). Es erzählt die Geschichte einer schönen Dubliner Fischhändlerin im 17. Jh., die in jungen Jahren an einem nicht näher bestimmten Fieber starb. Die Statue ist ein Wahrzeichen Dublins, seit sie 1988 aufgestellt wurde.

Schließlich besuchten wir das Trinity College, die renommierteste Universität Dublins, die 1592 von Königin Elisabeth I gegründet wurde. Berühmte Studenten waren z.B. Samuel Becket, Bram Stoker oder Oscar Wilde.

Das College beherbergt eine fantastische Bibliothek, die wir – natürlich kostenpflichtig – besuchten. Die Alte Bibliothek wurde 1732 gebaut und in ihr werden neben 200000 alten Texten auch das berühmte Book of Kells aufbewahrt, dessen ausgestellte Seiten wir uns natürlich so genau wie möglich anschauten.

Das Book of Kells wird als das überragende Beispiel für mittelalterliche Buchmalerei zwischen dem 7. und 10. Jh. in Irland und im Norden Großbritanniens angesehen. Es enthält die vier Evangelien zusammen mit ganzseitigen Abbildungen von Jesus, Maria mit Kind und den Evangelisten. Das Schriftbild ist aufwändig gestaltet und verziert, besonders die Initialen wurden teilweise sehr fein in leuchtenden Farben dargestellt.

Zum Abschluss unseres Besuchs setzten wir uns in den beeindruckenden Long Room der Bibliothek, ein 64m langer Raum, in dem die wertvollsten Bücher stehen. Man fühlt eine ganz ehrwürdige Atmosphäre, wenn man zwischen den laaangen Regalen steht, in denen die Massen an Büchern kaum zu überblicken sind.

Um unseren Tag abzurunden, gingen wir im Anschluss noch in die National Gallery of Ireland und schauten uns einige Bilder an.
Mit dem Bus fuhren wir später zurück in die O'Connell Street. Wir schauten nach Kinofilmen für einen weiteren Kinobesuch, entschieden uns dann aber doch, lieber das seit dem kurzen Regen in Howth wunderbar sonnige Wetter noch länger auszunutzen und einen weiteren Ausflug zu machen.

Bald saßen wir im Bus nach Dun Laoghaire (gesprochen Dunn Lieri), eine südlich von Dublin gelegene Hafenstadt. Wir verbrachten unsere Zeit dort mit einem Spaziergang an der Hafenpromenade auf dem Ostpier. Bis zum James Joyce Tower schafften wir es aber nicht mehr, denn wir wollten nicht allzu spät nach Dublin und da es langsam dämmerte und die Busfahrt fast eine Stunde dauerte, entschieden wir uns, um halb zehn zurückzufahren.

Im Hostel machten wir nicht mehr viel und gingen für eine kurze Nacht in unsere Betten. Wir sind übrigens jeden Morgen um 7.30h aufgestanden – und das in unseren „Ferien“.

1 Kommentar 27.6.08 16:45, kommentieren