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Wochenendvorgeschichte

Ich sitze gerade im Modern Languages Lab und bin ganz traurig, dass das Wochenende schon wieder rum ist. Es ging viel zu schnell... Wenigstens bin ich gerade total stolz auf mich, weil ich Deutsch für die Tastatur einstellen konnte und jetzt schön die Umlaute usw. schreiben kann. Toll, was?

Am vergangenen Wochenende bin ich „mal wieder“ in London gewesen – und habe Sylvia dort getroffen! Wir hatten lange geplant, dass wir mein erstes Leave out weekend nach den Ferien zusammen verbringen und es hat tatsächlich geklappt. So schööön!

Was mir dann noch ganz gelegen kam, war die Anfrage eines der stellvertretenden Direktoren der Schule, Ed, der nach Begleitpersonen für Busse von Rugby nach Leamington Spa suchte. Da bis DEZEMBER (!) der Bahnhof in Rugby jedes Wochenende wegen Gleisarbeiten geschlossen sein wird, musste er sich auch für dieses WE was überlegen und hatte Busse gechartert, um die Schüler, die nach London wollten, zum nächsten Bahnhof bringen zu lassen, von wo sie dann im Zug weiterfahren konnten. Und das war für mich natürlich perfekt! Sonst hätte ich auch mit einem Bus nach sonstwo und von da nach London fahren müssen und nun meldete ich mich einfach als Freiwillige. Und das Beste: Ich wurde auch noch dafür bezahlt! Mein Zugticket wurde mir ersetzt und dazu gab es noch ein „Taschengeld“, genial! Es wusste ja keiner, dass ich sowieso nach London wollte und für jeden Nicht-nach-London-reisen-Wollenden wäre so eine Begleitung im Bus ja auch ein großes Opfer gewesen, das natürlich entlohnt werden musste. J 

Anyway, nachher erzähle ich dann vom Wochenende, denn jetzt muss ich erst mal zu meiner nächsten Stunde. Mein aktueller Unterricht ist nämlich ausgefallen, weil heute die GCSE-Prüfungen für Französisch anfangen und da sind alle F-Blocks – und somit mein Schüler auch – nicht da.
Also bis später!

6.5.08 10:43, kommentieren



London 3. Mai 2008

Sorry für die Verspätung. Ich hatte letzte Woche so viel zu tun, dass ich überhaupt keine Zeit zum Schreiben hatte. Aber ich werde alles nachholen!

Am Samstagmorgen (03.05.08) fuhr ich im Bus mit Schülern nach Leamington und alles klappte bestens. Nur ein paar Schüler tauchten nicht auf, aber das war ja nicht unser Problem. Gegen 11 Uhr waren wir in Leamington Spa und der Bahnhof wurde von Rugby School Schülern überschwemmt. Ich war mittendrin. Im Zug sah es genauso aus. Ich unterhielt mich die ganze Fahrt über mit einem meiner Schüler, genauer gesagt, mit meinem neuesten Schüler. Ihm war nämlich erst vor ein paar Wochen eingefallen, dass er nicht so richtig weiß, wie die Prüfungen in Deutsch abgehen und so bot ich mich natürlich als Hilfe an. Er kommt aus Potsdam und ist dieses Jahr an die Schule gekommen. Wir hatten inzwischen schon mehrere Stunden „Unterricht“ zusammen – meist endete er in angeregten Gesprächen über die Jugendkultur in Deutschland oder wie wir die Schule finden usw. Sehr lustig.

Jedenfalls war die Fahrt nach London Marylebone so nicht langweilig. Dort angekommen telefonierte ich erst mal mit Sylvia und fuhr dann zum Piccadilly Circus, wo wir uns trafen. Die Sonne brannte mal wieder. Dabei war Regen vorausgesagt worden und ich schleppte natürlich sowohl Schirm als auch Kapuzenmantel mit mir rum. *schwitz* Wir gingen gleich erst in einen Tesco und kauften uns Essen + Trinken, um damit zum Park neben Embankment (Victoria Gardens?) zu spazieren und dort auf einer Mauer zu picknicken. Yummie!

Anschließend suchten wir unser Hostel und der gute Mann dort schickte uns zu einem anderen Hostel, da es eine Überbuchung gegeben hatte. Super... Unser „neues“ Hostel war dreimal so groß wie das erste und unser Zimmer war gaaaanz oben – daher vermieden wir an diesem Wochenende auch, allzu oft dorthin zu gehen. Nachdem wir unsere Rucksäcke im Zimmer gelassen hatten, zogen wir gleich los nach Notting Hill, wo wir mitten in einer deutschen Schulklasse landeten, von der wir uns aber schnellstmöglich entfernten. Wir liefen über den Portobello Market und hielten Ausschau nach Drehorten des Films „Notting Hill“. Ein paar fanden wir sogar. 

Später ging’s mit der U-Bahn zum Monument und von da liefen wir bis zum Globe Theatre. Wir setzten uns an die Themse und genehmigten uns ein Sandwich, bevor wir uns ins Globe stürzten und unsere Stehplätze einnahmen. Wir fanden die Idee sehr gut, wie früher die armen Leute im Hof des Theaters zu stehen (und daher auch nicht allzu viel zu bezahlen) und da wir recht früh dran waren, bekamen wir auch gute Plätze vorne an der Bühne. Wir sahen „King Lear“.
Ich fand es den ganzen Abend über allerdings fast interessanter, die Schauspieler so nahe vor mir zu beobachten als genau aufzupassen, was sie sagten. *g* In einer Szene sprangen zwei „Dämonen“ direkt vor uns aus einer Luke ins Publikum und ich erschreckte mich fürchterlich und stieß beinahe mit einem netten Herrn zusammen, der neben mir stand. Wir lachten sehr darüber, dass ich ihn sozusagen mitgerissen hatte und in der Pause kamen wir mit ihm und seiner Frau ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die beiden aus den Niederlanden kamen. Ich fand es aber unpassend, den einzigen Satz, den ich auf Holländisch sagen kann, loszuwerden (Ich liebe dich.). Nach dem Theater waren wir begeistert, hatten aber auch ziemliche Rückenschmerzen vom langen Stehen (von 19h bis ca 23h) und schlenderten recht langsam über die nächste Brücke. Wir waren spät im Hostel, schliefen aber bald, um auch für den Sonntag fit zu sein.

 

14.5.08 10:40, kommentieren

London 4. Mai 2008

Unseren Sonntag starteten wir mit einem sehr guten Frühstück und zogen danach los nach Paddington, um die Statue des Paddington Bärs zu finden. *g*  Natürlich rannten wir erst mal an ihr vorbei, da sie doch eher unspektakulär ist, aber nachdem wir sie gefunden und brav unsere Tourifotos geschossen hatten, gingen wir wieder und fuhren zum St James’ Park.

Dort besuchten wir unsere guten Freunde, die Eichhörnchen (ich bin überzeugt, dass es dieselben sind wie bei unserem letzten Besuch) und folgten dann der Blasmusik, die uns gerade rechtzeitig zur Changing of the Guards Zeremonie leitete. So viele Menschen wie heute habe ich noch nie um den Buckingham Palace versammelt gesehen. Hauptattraktion am Sonntag...

Im Anschluss an dieses Zwischenspiel liefen wir zur Victoria Station, um von dort mit dem Bus bis nach Tower Hill zu fahren, von wo wir auf die Tower Bridge spazierten. Wir besorgten uns Eintrittskarten und besichtigten die Ausstellung über die Brücke in der Brücke. Wir liefen oben in der Brücke herum und genossen die tolle Aussicht, sahen Filmsequenzen über Entwicklung, Bau und Einweihung dieses Wahrzeichens Londons und besuchten schließlich auch Maschinenräume, in denen die Mechanik usw. erklärt wurde. Sehr interessant! Ich bin zwar überhaupt keine Physikerin, aber schön anzusehen war es trotzdem. *g*  Sorry an alle Physiker für diese naive Äußerung.

Nach unserem informativen Ausflug bestiegen wir einen Bus und ruckelten bestimmt eine halbe Stunde durch Southbank London, bis wir schließlich über die Themse fuhren und in Covent Garden landeten. Dort deckten wir uns erst mal mit Trinken im Tesco ein, da es heute schon wieder total heiß war. Unglaublich für Anfang Mai! Wir wanderten zum Covent Garden Market und picknickten an den Füßen zweier überdimensionaler Pfauen aus Blumen und Kunststoff, die zur Zeit auf dem Vorplatz des Marktgebäudes stehen.

Anschließend spazierten wir noch ein bisschen durch Covent Garden und suchten unseren Weg zum Ambassador Theatre, wo wir bald später „Stomp!“ sahen.
Wir hatten super Plätze in der 3. Reihe und ließen uns von der Show ziemlich begeistern. Zuvor waren wir beide etwas skeptisch gewesen, aber nach einigen Minuten wurden wir von den Rhythmen mitgerissen. Für die, die es noch nicht gesehen bzw. gehört haben: Die Akteure erzeugen Rhytmen mit Besen, Eimern, Töpfen, Stäben, Mülltonnen, Regentonnen, Feuerzeugen, Streichholzschachteln, Kästen, Gummirohren und natürlich mit Füßen (Steppen) und Händen (Klatschen, Schnipsen) – echt sehr, sehr cool! Mitten in der Show erhielten wir eine kleine Dusche, da die Darsteller, die übrigens nur mit Gestik und Mimik arbeiteten und die Zuschauer häufig zum Lachen brachten, mit ganzen Spülarmaturen (aus der Küche) auf der Bühne erschienen und mit Wasser und Tassen „Musik machten“ – am Ende landete das meiste Wasser auf den vorderen Reihen. J

Nach „Stomp!“ gondelten Sylvia und ich noch eine Weile durch Chinatown und fuhren dann nach Embankment, wo wir noch ein bisschen herumsaßen (nachdem Sylvia von einem Typen im Kleid angesprochen wurde und wir heilfroh waren, ihn und seinen Freund losgeworden zu sein...) und unseren gemeinsamen Tag ausklingen ließen.

1 Kommentar 14.5.08 11:35, kommentieren

London 5. Mai 2008

Der heutige Montag war ein Bank Holiday, also so etwas wie ein beweglicher Ferientag in England. Wir checkten früh aus dem Hostel aus und nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum British Museum. Sylvia und ich schauten uns die Räume über Ägypten, Griechenland sowie Japan an und besuchten die derzeitige Sonderausstellung „The American Scene: Prints from Hopper to Pollock“.

Danach mussten wir leider schon wieder gehen, da Sylvias Bus nach Stansted um 12h abfuhr. Dafür machten wir uns auf den Weg zur Liverpool Street, wo der Bus schon stand. Ich wartete noch, bis er langsam aus meinen Augen verschwand. *g*

Nun musste ich alleine meinen Tag in London bestreiten. Zunächst lief ich zu einem Gebäude, das ich sonst immer nur von Weitem gesehen habe: 30 St Mary Axe – besser bekannt als “The Gherkin”, die (Gewürz)Gurke. Er ist der sechsthöchste Wolkenkratzer in London (180m) und wurde Anfang 2007 von der IVG Immobilien AG und der britischen Firma Evans Randall für 630 Mio. Pfund gekauft. Nachdem ich den Turm ein paar Minuten von unten bewundert hatte, hatte ich genug Glas gesehen und zog wieder ab.

Ich fuhr zum Oxford Circus und lief eine Weile herum, bis es mir unter der brennenden Sonne zu heiß wurde und ich mich in einen Kirchgarten setzte, um eine kleine Pause einzulegen. Danach fand ich endlich den Porzellanladen, den ich schon im Januar gesehen hatte, aber im Februar nicht mehr wiederentdecken konnte!
Im Anschluss fuhr ich nach South Kensington und besuchte das Natural History Museum, wo ich 2003 das letzte Mal war. Außerdem wagte ich eine kleine Tour über den Campus des Imperial College London, da ich mir mal anschauen wollte, wo ein paar meiner Schüler studieren werden. Das Imperial College steht im ranking der Universitäten in England auf Platz drei hinter Oxford und Cambridge. In den Gebäuden herrschte eine recht angenehme Atmosphäre, obwohl die teilweise etwas „technisch-quadratisch” angehauchte Architektur wenig Wärme ausstrahlte.

Nach diesem Ausflug machte ich mich schon auf den Weg nach Marylebone, wo ich brav auf die Schüler wartete und um 17.50h mit ihnen in den Zug nach Leamington stieg. Dort holten uns 2 Busse ab und ich kam gerade rechtzeitig in der WG in Rugby an, um noch den letzten Frame des Snooker WM Finales zu sehen: Ronnie O'Sullivans Sieg über Ali Carter (Letzterer tat mir echt leid, denn ich mag ihn auch)!

Tja, und an den folgenden Tagen hatte ich wahrscheinlich die stressigste Zeit in Rugby überhaupt, denn die mündlichen Prüfungen in Deutsch rückten näher!

1 Kommentar 19.5.08 15:10, kommentieren

German orals; Dinner @Smiths

Am 8. Mai standen die German orals fürs Abitur an und dementsprechend aufgeregt war ich. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass ich nervöser war als meine Schüler.

Um mich ein bisschen abzulenken, besuchte ich Wanda, meine Lieblingsangestellte in der Schulbibliothek. Leider war der Dienstag ihr letzter Arbeitstag für diesen Term, da sie sich einer OP unterziehen muss. Wäh. Mit wem soll ich denn dann quatschen, wenn ich mir DVDs ausleihe? Aber sie hat mir schon den Weg zu ihrem Haus erklärt, damit ich sie besuchen kommen kann, wenn sie sich langweilt. *g*

Am Dienstagabend waren wir Assistants und Noemi bei Jonathan und Sandra Smith (Deutsch- und Französischlehrer und seine Frau) zum Dinner eingeladen. Es war total schön und wir hatten einen wunderbaren Abend. Das Essen schmeckte richtig lecker und die Gespräche mit Jonathan und Noemi waren super. Die Smiths haben eine sehr schöne, große Wohnung, in der eine angenehme Atmosphäre für ein echtes „Willkommen-Sein-Gefühl“ sorgt. Im Gegensatz zu Marie und Maria war ich ja im Oktober 2007 bereits hier und da hatte es mir auch schon so gut gefallen.

Meinen krassesten Arbeitstag hatte ich am Mittwoch:
Nach der ersten Stunde mit Deutschlehrerin Alison und der Twenty (XX) hätte ich eigentlich 2 Freistunden, da Crispins Deutschklasse ausfiel, weil er selbst bei Französischprüfungen dabei sein musste. Ich hatte allerdings meinen LXX (Lower Twenty) Schülern angeboten, trotzdem zu kommen und sie waren tatsächlich da.
Also übte ich mit ihnen ihre Präsentationen, stellte Fragen und gab noch ein paar role play Beispiele. Da sich aber zwei Schüler noch nicht sicher waren, machten wir noch weitere Termine für später aus.
In den nächsten beiden Stunden kamen meine Schüler brav und sprachen viel Deutsch und beim anschließenden Mittagessen saß ich neben meiner einen Schülerin und wir diskutierten über ihr Thema (Ostalgie und Good Bye Lenin) während des Essens. Mit derselben Schülerin traf ich mich auch danach noch für eine Stunde und im Anschluss hatte ich eine weitere aufgeregte LXX (Thema: Was tut Deutschland, um der Umwelt zu helfen), die am Donnerstag schon ihr A2 macht.
(A2 sind die richtig harten, letzten Abiprüfungen, die man eigentlich erst in der letzten Klasse also der XX macht, während AS-Prüfungen sozusagen wie ein „Zwischenzeugnis“ dienen, das man in der vorletzten Stufe bekommt, der LXX – diese ganzen Bezeichnungen wie LXX usw. sind übrigens eine reine Rugby School-Besonderheit. An „normalen“ britischen Schulen würde man Sixth Form und Lower Sixth sagen.)

Anyway, nach dieser Schülerin hatte ich eine kurze Pause und ging zum Abendessen nach Rupert Brooke.
Direkt im Anschluss lief ich nach Bradley (ein Boardinghouse für Mädchen) und traf mich mit meiner Problemschülerin, die eine Leserechtschreibschwäche hat. Wir gingen ihre Präsentation durch und machten ein letztes role play vor morgen. Danach kam auch noch ihre Schwester und wir übten ein wenig (das ist das Mädel, das schon in der LXX ihre Deutschabschlussprüfungen macht).

Im Anschluss setzte ich meine German assistant helping-tour fort und besuchte einen meiner Lieblingsschüler in Kilbracken, um mit ihm über sein Thema „Das Leben der Anderen“ zu diskutieren und ihm für morgen die Angst zu nehmen. Er haute mich total um mit seiner Präsentation und seinem perfekten deutschen Akzent. Keine Ahnung, wie er das hinbekommen hat. *g* Wahrscheinlich die gute deutsche Assistentin. Ich traf noch zufällig einen anderen meiner Lieblingsschüler (eigentlich hab ich fast nur Lieblingsschüler!) und sprach ganz kurz mit ihm, aber dann wollte er doch lieber Fußball schauen – was aber okay war, da er sowieso fast perfekt ist. Immerhin hat er fast die meiste Zeit seines Lebens in Düsseldorf verbracht. Erst nach 21.30h verließ ich das Jungshaus und erledigte in der WG meine restlichen Aufgaben, bevor ich todmüde ins Bett fiel.

Am Donnerstag stand ich den ganzen Tag unter Strom. Am Morgen lernte ich den Prüfer kennen, einen netten Österreicher, der schon seit über 25 Jahren in England lehrt.
Ich war bei meinen AS-Kandidaten, bis die Prüfungen losgingen, zwischendurch traf ich noch 2 Schülerinnen, die am Nachmittag ihre A2 exams hatten und üben wollten. Ich blieb eigentlich – bis auf das Mittagessen in Kilbracken – den ganzen Tag bis nach 17 Uhr im Department, um immer gleich zu erfahren, wie die orals gelaufen sind. Alle waren zufrieden, weshalb ich sehr erleichtert war!!! Puh!

19.5.08 15:50, kommentieren

Manchester

Der Rest der Woche ging normal über die Bühne.

Am Samstagmorgen ganz früh (um 7.11h) ging mein Zug nach MANCHESTER – ich erstmals ganz allein für ein Wochenende unterwegs! Um kurz vor 10h war ich schon da und machte mich auf den Weg zu meinem Hostel, dem YHA, das einen sehr guten Ruf hat und daher auch nicht ganz so billig ist. Ich nahm den Metrolink (so eine Art Straßenbahn) und folgte der Wegbeschreibung, die ich mir von der Homepage des YHA geholt hatte, aber zuerst lief ich in die komplett falsche Richtung (dafür hab ich wohl ein besonderes Talent). Danach schlug ich zwar den richtigen Weg ein, aber ich verpasste die Straße und lief zu weit. Nach einer Weile hatte ich mich aber zurecht gefunden und war um 11h etwa im Hostel. Leider konnte ich noch nicht in mein Zimmer, so dass ich einfach meinen Rucksack einschloss und so loszog.

Ich besuchte zuerst das MOSI – Museum of Science and Industry und fand es sehr interessant. Es besteht aus mehreren Ausstellungen in einzelnen Hallen. Ich schaute mir aber nicht alles an, sondern zuerst mal die Halle über Textilherstellung und was damit zusammenhängt. Manchester spielte eine wichtige Rolle zur Zeit der Industriellen Revolution (die vielen Bäche in der Gegend waren perfekt für Baumwollspinnereien, die mit Wasserkraft betrieben wurden – und außerdem war der Liverpooler Hafen nicht weit weg). Nach der Erfindung der Dampfmaschine entstanden noch mehr und größere Betriebe in der Stadt und Umgebung, so dass viele Arbeitssuchende nach Manchester kamen und den Ort zum industriellen Zentrum der damaligen Welt machte. Im Anschluss an den Exkurs in die Textilgeschichte Manchesters besuchte ich die Air and Space Hall, die mich total an das Deutsche Museum in München erinnerte und eine Ausstellungshalle über Energie. Zufälligerweise war zur Zeit gerade von Hagens „Body Worlds“ die temporäre Ausstellung, die ich natürlich nicht besuchte – ich hatte sie schon verweigert, als meine Klasse in der Oberstufe in Frankfurt war und ging damals lieber mit 4 anderen (darunter 2 Lehrer) in den Palmengarten. *g*

Nach dem Museum spazierte ich gemütlich weiter ins Stadtzentrum hinein, vorbei an einer Demo gegen Scientology, und mit einem kurzen Stop im Sainsbury’s, wo ich mir was zu essen kaufte. Ich lief durch Manchester und setzte mich schließlich zwischen viiiele andere Leute am Fuße eines Riesenrads hin und verspeiste mein Vegetarian Sushi in der Sonne. Es war heute so heiß!

Ich ging dann vorbei an hochmodernen Gebäuden zur alten Kathedrale, die zwar nicht besonders groß, aber recht schön war. Dort traf ich einen älteren Touristen, der mir seine halbe Lebensgeschichte erzählte. Ich war ziemlich froh, als ich ihn wieder los war und mich alleine ins überfüllte samstägliche Manchester werfen konnte. Ich ging ein bisschen einkaufen.

Später informierte ich mich im Informationszentrum über weitere Museen usw. und pickte mir ein Museum heraus, das ich gern besucht hätte, da es eine Manga-Ausstellung bot. Als ich dort ankam – total kaputt von der Hitze und mit meinen Einkaufstüten beladen – erfuhr ich, dass das Museum ausnahmsweise heute schon um 16h geschlossen hatte wegen einer privaten Veranstaltung. Ah! Etwas enttäuscht zog ich ab und machte mich auf den Rückweg zum Hostel, wo ich mein Zimmer beziehen konnte.
Die beiden anderen Mädels, die noch kommen würden, waren aber noch nicht da. Das Zimmer war total toll, groß, angenehm hohe und kuschlige Betten und eine schöne Sicht auf den Kanal, der durch Südmanchester fließt.

Genau dorthin lief ich dann bald und spazierte ein bisschen am Kanal entlang, auf dem gerade ein Partyboot ablegte. Ich lief durch den Stadtteil Castlefield, in dem ein Teil eines römischen Kastells nachgebaut ist. 79 n. Chr. errichteten die Römer eine Befestigungsanlage namens Mamucium. Die Ruinen des Kastells waren bis ins 18. Jh. hinein vorhanden, aber beim Bau einer Haupteisenbahnlinie wurden sie zerstört. Anyway, ich setzte mich dann an den Kanal und verdrückte ein leckeres Sandwich zum späten Abendessen, bevor ich mich ins Hostel zurückzog. Die beiden anderen Mädels kamen irgendwann nachts, aber ich kriegte nicht viel davon mit. Erst am nächsten Morgen machten wir uns bekannt, die beiden waren Medizinstudentinnen aus Sheffield und besuchten Manchester wegen der Body Worlds Ausstellung. Lustig! Wir frühstückten auch zusammen und waren gleichermaßen vom tollen Buffet begeistert. Danach checkten wir aus und fuhren gemeinsam zum Bahnhof, von wo aus sie nach Sheffield zurück fuhren und ich weiter nach Liverpool gondelte!!

21.5.08 21:28, kommentieren

Liverpool

Am Sonntagmorgen, dem 11. Mai 2008 um kurz vor 10h kaufte ich mir mein Ticket von Manchester nach Liverpool und düste zum Gleis, vor dem zwei Bahnangestellte meine Karte überprüften. Der eine erklärte mir den Weg, aber da ich ihn so schlecht verstand, bat ich ihn, es zu wiederholen. Dabei fiel mir sein Akzent auf und ich fragte einfach mal, woher er denn komme: Germany! Aha! *g* Wir unterhielten uns kurz und er gab mir seine Adresse und Telefonnummer in Manchester – und beinah hätte ich meinen Zug verpasst.

Etwa eine Stunde später war ich in Liverpool und wanderte gleich mal quer durch die Stadt in Richtung Hafen. Dort wurde ich von keinem besonders schönen Anblick begrüßt: Baustellen! Ich wollte eigentlich zum Albert Dock laufen, aber zunächst erschien es mir, als ob der Weg dorthin durch eine der Baustellen abgeschnitten sei, so dass ich mich umorientierte und eben woanders hin lief. Unter schon ziemlich warmer Sonne spazierte ich auf einer Promenade und entdeckte einen Schiffskartenverkauf. Ich beschaffte mir gleich ein ticket für eine einstündige Hafenrundfahrt. Bevor diese um 12h begann, schaute ich mir die sogenannten „Three Graces“ am Pier Head von außen an: Das Royal Liver Buildung, das Cunard Buildng und das Port of Liverpool Building.

In der vollen Mittagssonne machte ich also die Bootsfahrt und bekam so Liverpool vom Fluss Mersey aus zu sehen, wirklich sehr schön! Liverpool ist 2008 übrigens neben Stavanger (Norwegen) Europäische Kulturhauptstadt.

Nach der Hafenrundfahrt startete ich einen zweiten Versuch, zum Albert Dock zu kommen und dieses Mal fand ich auch den Weg vorbei an der Baustelle. Der Albert Dock ist eine historische Hafenanlage, die restauriert wurde und nun Geschäfte, Restaurants, Bars und Museen beherbergt. Ich besuchte natürlich gleich das Museum zur Geschichte der Beatles „The Beatles Story“.

Der Eintritt war zwar ziemlich hoch, aber er lohnte sich total! Der Werdegang der Beatles wurde nicht einfach beschrieben, sondern durch Musik, Videos, Infotafeln und Massen an Fotos dargestellt. Hinzu kamen tolle originalgetreue Nachbauten des Innern eines Flugzeugs, in dem die Beatles erstmals nach Amerika reisten, des Liverpooler Clubs (The Cavern), in dem die Band über 200 Mal auftrat sowie einer ganzen Seitenstraße Liverpools, in der ein Pub war, das die Beatles frequentierten, bevor sie richtig bekannt wurden. Im Anschluss an das Museum gab es noch eine Ausstellung mit Fotos „behind the scenes“ und mit Informationen, was aus den einzelnen Beatles nach ihrer Trennung 1970 geworden ist. Als ich nach fast 2 Stunden das Museum verließ, war ich zum begeisterten Beatles-Fan geworden!

Ich besuchte – immer noch mit eingängiger Musik im Ohr – im Anschluss ein paar Souvenirläden und die Tate Liverpool, ein Ableger der Tate Gallery mit relativ zeitgenössischer Kunst. Leider war die Ausstellung über Gustav Klimt noch nicht fertig, so dass ich nach recht kurzer Zeit durch die restliche Galerie gegangen war (die meisten Bilder sagten mir nicht soo zu, am besten fand ich den Abschnitt zu „The Twentieth Century: How it looked & how it felt“ und dabei waren meine Lieblingsgemälde von Picasso und Yves Klein).

Als ich aus der Tate kam, war gerade ein Gewitter im Gange, kein Wunder nach der Hitze heute. Ich marschierte trotzdem mit Regenschirm los zurück zum Bahnhof, also wieder quer durch die Stadt. Ich warf noch einen Blick ins Cultural Quarter, aber die Kathedralen Liverpools besuchte ich dann nicht mehr, da es mir zu stark regnete. Stattdessen nahm ich einen Zug nach Manchester zurück, wo ich ein bisschen auf meinen im Voraus gebuchten Zug nach Rugby warten musste.

Um 22h war ich in Rugby und als ich gerade in unsere Hofeinfahrt im Crescent einbog, traf ich Maries komplette Familie, die sie von Samstag auf Sonntag besucht hatte und nun wieder weg fuhr. Schade, aber total unglücklich war ich nicht darüber. Bevor ich todmüde ins Bett fallen konnte, musste ich erst noch ein wenig auspacken, meine Sachen für den kommenden Tag zusammensuchen und natürlich eine herrlich entspannende Dusche nehmen.

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich dieses Wochenende so gut gemeistert habe. Man wächst schließlich mit seinen Aufgaben!!!

2 Kommentare 21.5.08 22:53, kommentieren