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Glasgow

Meine half term-Reise in den Norden begann am Sonntag, 25.05.08.
Um 9.30h lief ich zu Dean House, von wo mich die liebe Assistant Matron Kay nach Birmingham zum Busbahnhof fuhr. Wir brauchten ziemlich lange, bis wir den gefunden hatten, da er an einen neuen Standort verlegt wurde. Kay begleitete mich noch bis in den Busbahnhof hinein und ich war ihr sehr dankbar dafür!! Dann war ich wirklich allein, aber schnell traf ich schon eine Mitreisende, die wie ich nach Glasgow wollte. Wir saßen dann auch die nächsten 6 Stunden nebeneinander – unterbrochen von einer 30minütigen Pause – und unterhielten uns nett. Die Frau hieß Linda, gebürtige Schottin, aber wohnhaft in Birmingham. Zum Abschied hielten wir fest, dass wir mal zusammen shoppen gehen sollten. Sie hat nämlich leider nur 4 Söhne und keine Tochter für einen typischen Frauen-gehen-einkaufen-Rausch. *g*

Um 17h war ich in Glasgow, der größten Stadt Schottlands, und machte mich auf die Suche nach meinem Hostel. Ich fand es auch relativ bald, da es direkt am Fluss Clyde lag. Nach dem Einchecken ging ich auch gleich ein bisschen am Fluss spazieren und genoss den Sonnenschein. Mehr als die direkte Umgebung zu erkunden, wollte ich aber nicht mehr, da die Fahrt doch recht anstrengend gewesen war.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück checkte ich aus, durfte aber mein Backpack im Gepäckraum lassen. Ich startete meine Tour durch Glasgow – unter warmer Sonne. Zuerst schaute ich mir – von außen – die beeindruckenden Gebäude der Gallery of Modern Art und der City Chambers an sowie alle Denkmäler, die mir begegneten. Dann wagte ich den relativ weiten weg raus aus dem Stadtzentrum zur St. Mungo Kathedrale, die ich besichtigte.

Man weiß wenig Genaues über die Geschichte Glasgows, bis es im 12. Jh. zu einer Stadt geworden war und die St. Mungo's Cathedral gebaut wurde. Seit den 90ern hat Glasgow viel Geld in die Restaurierung und Renovierung von Gebäuden gesteckt und dadurch ist die Lebensqualität stark gestiegen (und auch die Preise). 1990 wurde Glasgow die 6. Europäische Kulturhauptstadt (nicht London oder Edinburgh), 1999 gab es den Architektur- und Designpreis, 2003 war Glasgow Europäische Sporthauptstadt. Früher war Glasgow eher als verschmutzte Arbeiterstadt bekannt, heutzutage wird die Stadt für ihren kulturellen und künstlerischen Reichtum geschätzt.

Als ich in der Kathedrale ein paar Postkarten kaufte, begann eine ältere Dame ein Gespräch mit mir und wollte gar nicht glauben, dass ich deutsch bin, da mein Akzent so englisch klinge. *freu* Sie war total nett und gab mir Tipps, was ich unbedingt noch besuchen solle (Kelvingrove, siehe unten) und was nicht. Am Schluss tauschten wir sogar eMailadressen aus!

Ich besuchte anschließend das St. Mungo's Museum of Religious Life and Art, das sehr interessant war. Aber dann zog es mich zurück unter den blauen Himmel und – angespornt durch Magret, die Omi aus der Kathedrale – machte ich mich auf den Weg auf die absolut entgegengesetzte Seite Glasgows, wo ich mir die Kelvingrove Art Gallery and Museum anschauen sollte.
Auf dem Weg fand ich die Royal Concert Hall, das Theatre Royal, einige Gebäude der vier Universitäten Glasgows, die RSAMD – Royal Scottish Academy of Music and Drama – und schließlich die Glasgow School of Art, die ich mir sowieso ansehen wollte, da sie sehr berühmt ist. An der Türe stand allerdings, dass sie wegen Umbauarbeiten geschlossen sei. Da mir aber eine Studentin auf der Treppe begegnete, hängte ich mich einfach an sie dran und kam so doch hinein und das Mädel nahm mich sogar mit nach oben zu den Arbeitsräumen. Ich sah mich ein bisschen um und las ein wenig über Charles Rennie Mackintosh, einen schottischen Architekten, Graphiker und Maler, dem die Schule gewidmet ist.

Durch Zufall begegnete mir auf meiner anschließend weitergehenden Suche nach der Kelvingrove Anlage auch noch die große Mitchell Library und ich landete schließlich in einem Park, in dem ich erst mal eine Pause einlegte und etwas aß, bevor ich weiter durch diesen und einen weiteren sonnendurchfluteten Park spazierte und dann ENDLICH die fantastisch aussehende Anlange der Kelvingrove Art Gallery and Museum fand! Ich verbrachte eine geraume Zeit darin, informierte mich über Naturgeschichte und Geschichte Glasgows und erfreute mich an tollen Gemälden der Alten Meister, der französischen Impressionisten usw. Die Galerie hat eine von Europas größten städtischen Kunstkollektionen und das Museum ist das meistbesuchte Museum in Großbritannien außerhalb von London! Gut, dass ich Margret getroffen hatte, sonst wäre ich nie den weiten Weg dorthin gelaufen!

Ich nahm dann den Bus zurück ins Stadtzentrum, holte meinen Rucksack im Hostel ab und begab mich auf den Weg zum Queen's Street Bahnhof, um nach Edinburgh zu fahren!

Und zum Abschluss noch ein paar wissenswerte Fakten:
Einige Partnerstädte Glasgows sind Turin, Havanna, Marseille, Bethlehem und Nürnberg.
Der britische Premierminister Gordon Brown stammt aus Glasgow!

1.6.08 18:10, kommentieren



Edinburgh I

Am späten Nachmittag kam ich in Edinburgh, Schottlands Hauptstadt, an und folgte meinem fantastisch vorbereiteten Straßenplan zum Hostel, das sich fast versteckt eine Treppe hinunter hinter einem Kellereingang verbarg. Zwei junge Frauen begrüßten mich und wir unterhielten uns gleich richtig nett. Die beiden Schwestern aus Australien führten das Hostel, so lange der Besitzer im Urlaub war; und nun zeigten sie mir den großen Küche + Esstisch + Riesencouch + PC + Megaflachbildschirm – Aufenthaltsraum und mein Zimmer. Das ganze Hostel war nur für 18 Bewohner! Süß! Während meiner Zeit dort habe ich die „Familienatmosphäre“ als sehr angenehm empfunden.

Jetzt, an meinem ersten Edinburgh Resttag zog ich aber noch mal los, lief über die bekannte Princes Street und vorbei an den Princes Street Gardens. Die Princes Street ist eine Grenzlinie zwischen der Old Town und der georgianischen New Town, in der sich mein Hostel befand. Die New Town ist vor allem gezeichnet durch die rechtwinklig angelegten Straßen, an die sich mehrere Denkmäler reihen. Die Old Town hat dafür ein anderes Muster. Ich stieg erst mal hoch hinauf in die Old Town, nämlich bis zum Schloss, dass über die Stadt ragt und von da lief ich ein Stück die sogenannte Royal Mile hinunter. Diese Straße würde aus der Vogelperspektive einer Fischgräte ähneln, da sich von ihr zu beiden Seiten viele kleine Gassen der Altstadt, die courts, closes oder wynds, abzweigen.
Für heute schaute ich mir aber zunächst die St. Giles Cathedral an und ging in einen Laden, in dem gerade eine Dudelsack-Performance stattfand. Danach suchte ich nach einem Supermarkt und lief wirklich überall herum. Bei Edinburghs Straßen, die stets steil nach oben, steil nach unten auf und ab gehen, war das ziemlich anstrengend. Schließlich fand ich einen großen Sainsbury's an Hand einer Karte, in die mir Wendy (Französischlehrerin aus dem Department, mit der ich ab und zu einen Kaffee trinke und die eine Wohnung in Edinburgh hat) vorher einige wichtige Orte eingezeichnet hatte. Ich kaufte mir ein leckeres Abendessen und aß dann später im Hostel. Nachdem ich noch eine Weile Tagebuch geschrieben hatte, ließ ich meinen Tag ruhig ausklingen.

Am nächsten Morgen traf ich Wendy um 10h und zusammen ging's los: Erkunden der Stadt mit einer Einheimischen. Wendy wurde in Edinburgh geboren und ist dort aufgewachsen! Sie hat aber überhaupt keinen schottischen Akzent.

Während des gesamten Tages erklärte sie mir immer wieder interessante Besonderheiten der Stadt, ich hatte wirklich die beste private Reiseleiterin.
Zuerst führte sie mich vorbei an Robert Louis Stevensons Geburtshaus (bekannteste Werke des Schriftstellers dürften Treasure Island und The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde sein) und durch einen privaten Garten, von denen es in Edinburgh viele gibt. Für die Öffentlichkeit sind sie geschlossen, nur Anwohner ohne einen eigenen Garten haben Schlüssel und da Wendy einen hatte, konnte ich mich als Touristin geehrt fühlen und mit ihr durch den Garten spazieren. Das Wetter war heute übrigens eher bewölkt, aber wenigstens nicht regnerisch. Wir liefen dann zur Royal Mile und Wendy zeigte mir einige der kleinen courts – ein paar der „Fischgräten“ also sozusagen. Wir stiegen hoch bis zum Schloss und „arbeiteten“ uns anschließend die gesamte Straße runter. Nach einem Drittel machten wir aber eine Tee-Pause in einer Seitenstraße im Café „The Elephant House“, in dem Joanne K. Rowling den ersten Harry Potter-Band geschrieben hat.

Anschließend führte mich Wendy in das große Gericht Edinburghs. Ich wäre ohne sie nie dort hinein gegangen, aber da einer ihrer Brüder Anwalt ist, kannte sie natürlich diesen Geheimtipp. Das Gericht sah fantastisch aus von Innen, wie ein Schloss mit Gemälden an den Wänden und einem großen zentralen Saal. Durch diesen liefen die Anwälte, teilweise ihre tollen Perücken tragend, paarweise nebeneinander hin und her und hin und her. Ich bekam auch sofort die Erklärung dafür von meiner Fremdenführerin: Die Anwälte stehen nicht an einem Platz und unterhalten sich über ihre Angelegenheiten, sondern bleiben ständig in Bewegung, damit niemand mithören kann! Gute Idee, muss ich sagen.

Nach diesem interessanten Intermezzo gingen wir kurz in die St. Giles Cathedral, in der ich ja am Vortag schon war. Wendy zeigte mir die Thistle Chapel, die ich gestern gar nicht wahrgenommen hatte. Dort suchten und fanden wir das geschnitzte Engelchen am Chorgestühl, das Dudelsack spielt. Hihi!
Danach besuchten wir das Museum of Childhood, das total goldig eingerichtet war und wirklich sehr süße Ausstellungen bot. Im Anschluss zeigte mir Wendy im Vorbeigehen weiter unten an der Straße einige Museen und einen Tearoom und wir erreichten schließlich das Schottische Parlament, das hier in diesem Neubau seit 2004 seinen Sitz hat. Wir gingen auch gleich hinein, schauten uns die Ausstellungen an und sahen uns ein wenig um. Wirklich hochinteressant! Das Dach des Gebäudes soll aussehen wie ein umgedrehtes Schiff. Über die Schönheit lässt sich sicher streiten...

Recht hübsch ist dagegen der gegenüber liegende Palace of Holyroodhouse, der Palast der Queen, wenn sie in Schottland residiert.
Ziemlich gleich neben diesen Gebäuden befindet sich der vulkanische Hausberg Arthur's Seat, von dem man eine tolle Sicht auf Edinburgh haben soll. Da heute die Sicht aber nicht so fantastisch gewesen wäre, hatten wir auch keine Lust, da rauf zu klettern, zumal das eher ein Tagesausflug für sich ist.

Stattdessen spazierten wir parallel zur Royal Mile wieder in die umgekehrte Richtung, wobei ich ein Museum (namens Our Dynamic Earth) sah, das von außen dem Millennium Dome in London ähnelt (nur kleiner) sowie den Standort der nationalen schottischen Zeitung The Scotsman.
In einem Pret-a-Manger lud mich Wendy zu einem kleinen Lunch ein, bei dem wir uns bestens unterhielten.
Im Anschluss entführte mich meine Edinburgh-kundige Begleiterin in einen Stadtteil, der Dean Village heißt. Der Fluss Water of Leith fließt durch das ehemalige Dorf und wir liefen eine ganze Weile uns unterhaltend am Fluss entlang. Unglaublich, dass dort fast mitten in der Stadt eine grüne Idylle ist! Idyllischer als bei uns auf dem Land! Und man scheint so weit weg vom Lärm der Straßen zu sein. Der Spazierweg führte uns vorbei an der Dean Gallery bis zur Scottish National Gallery of Modern Art, in der ich viel bekannte Kunst (Picasso, Braque, Matisse, Warhol, Lichtenstein etc.) zu sehen bekam (u.a. Kunstwerke, die wir in Kunst in der Oberstufe analysiert hatten, was ich natürlich sehr cool fand), aber auch mit neuen Künstlern konfrontiert wurde, von denen ich bisher noch nichts gehört hatte: Den sogenannten Scottish Colourists Peploe, Fergusson, Cadall und Hunter, die sogar mit den französischen Impressionisten verglichen werden.

Nach einem netten Gespräch im Café der Galerie setzten wir unseren Spaziergang fort und liefen zurück in die mir bekannteren Straßen. In der Nähe der Princes Street trennten wir uns schließlich und ich dankte Wendy herzlich für diesen wunderbaren Edinburgh-Tag!

Ich schlenderte allein noch ein wenig auf der Royal Mile herum, kaufte mir etwas zum Abendessen und ging später ins Hostel zurück, wo ich am „Wohnzimmertisch“ Postkarten schrieb und alle gerade anwesenden Besucher zusammen „Ratatouille“ schauten. *g* Ein lustiger Ausklang des Tages!

5 Kommentare 3.6.08 17:15, kommentieren

Edinburgh II

Als ich nach dem Frühstück an meinem 2. Edinburgh-Morgen aus dem Fenster schaute, war ich nicht glücklich: Regen! Wäh! Ich wagte mich natürlich trotzdem raus und trat meinen Weg zum Schloss an, also wieder ganz nach oben. Puh! Als ich dort ankam, war ich so ziemlich durchnässt, da es für einen Regenschirm viel zu windig war. Als nächstes schockte mich der Eintrittspreis von 11 Pfund (ich dachte, wir sind hier nicht in London). Für Studenten gab's keine Ermäßigung, ganz schön fies. Da ich nun schon mal da war, kaufte ich das ticket trotzdem und zog los durch die Museen (National War Museum, The Royal Scots Dragoon Guards Regimental Museum usw.), weiter zur Ausstellung „Prisons of War“, die sehr interessant war, anschließend durch das Military Prison, die Great Hall, die schottischen Kronjuwelen angucken und schließlich die St. Margaret's Chapel besichtigen und all die Kanonen rundherum fotografieren. *g* Krass fand ich den Hundefriedhof, den es auch auf dem Schloss-Territorium gab! Oh Mann! Der Friedhof wurde in viktorianischer Zeit für die Haustiere von Soldaten und für die verstorbenen Regiment-Maskottchen, die auf dem Schloss gelebt hatten, geschaffen.

Bevor ich das Schloss über die „Lang Stairs“ wieder verließ, verbrachte ich noch ein Viertelstündchen in den Waschräumen unter einem Händetrockner, um mich zu trocknen. Juhu!

Inzwischen regnete es nicht mehr so stark, so dass ich gemütlich ein Stück weiter auf der Royal Mile gehen konnte. Ich warf einen Blick in „The Scotch Whisky Experience“, machte aber keine Führung mit und ging lieber gegenüber in „Camera Obscura and World of Illusions“, eine Ausstellung mit diversen optischen Illusionen und einer Camera Obscura, wörtlich übrigens camera = Gewölbe, obscura = dunkel. Eine Camera Obscura ist ein dunkler Raum, in den durch ein Loch, an dem eine Linse angebracht ist, Licht fallen kann. Auf der gegenüberliegenden Seite entsteht ein Abbild.
So einen Raum mit einer großen gewölbten weißen Platte als Projektionsfläche gab es auch in dem Museum und ich schaute mir gleich eine der Vorführungen an. Wegen der fehlenden Sonne war das Bild leider etwas dunkel (dafür hatte ich auch 20% weniger Eintritt bezahlen müssen), aber trotzdem war allein der Vorgang sehr interessant. Oben in einem Gebäude auf der Royal Mile zu sitzen und die Leute auf den Straßen rundherum oder die, die gerade ins Schloss gehen, ganz ohne moderne Technik zu beobachten, war doch beeindruckend.

Danach schaute ich mir jede der vier Etagen der Illusionsausstellungen genau an, es gab wirklich alles! Normale Bilder, Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven, digitale Projektionen (z.B. ein Aquarium auf dem Boden, in dem das Wasser sich bewegte, wenn man sich darauf stellte), Trickbilder, elektronisch hervorgerufene Täuschungen, Lichtspiele und und und. Ich testete auch an einem Computer, wie ich momentan als Baby, Affe oder Manga aussähe. *g* Sehr aufschlussreich! (So ein Programm hatte ich schon mal 2003 im Science Museum in London gesehen, aber nicht selbst ausprobiert.)

Nach einer geraumen Zeit und noch einigen Minuten im Shop, in dem ich einem (schweren!) Buch über Illusionskünstler nicht widerstehen konnte, verließ ich diese Welt der optischen Täuschungen und spazierte weiter die Straße hinunter. Ich suchte nach einem Laden, in dem ich gestern ein cooles Scotland-Shirt gesehen hatte und nach mehreren Versuchen – denn dort reihen sich die Touristenläden nur so aneinander – hatte ich das richtige Geschäft gefunden.
Im Anschluss besuchte ich das Museum of Edinburgh, lief durch ein paar verwinkelte Seitenstraßen, besichtigte einen Teil des National Museum of Scotland und endete meinen Museumstrip mit einem Besuch in der interessanten Ausstellung mit nachgestellten Szenen aus der Geschichte Edinburghs „The People's Story“.

Da mich das Wetter aber noch immer nicht zu einem längeren Aufenthalt im Freien begeistern konnte, ging ich anschließend zu den beiden großen Galerien, die zentral (auf der „unteren Ebene“ in Edinburgh) liegen: Die Royal Scottish Academy, die ich nur bruchstückhaft von innen sah, und die National Galleries of Scotland, in denen ich blieb, bis sie gegen 17h schlossen.

Ich schaute mir dann noch das Scott Memorial an, das dem Royal Albert Memorial in London sehr ähnelt, kaufte danach ein bisschen ein und kehrte schließlich ziemlich erschlagen von dem ganzen Herumgerenne ins gemütliche Hostel zurück. Nachdem ich meine neuen Zimmerkollegen, 2 GAP-Tussis aus Neuseeland und einen ziiemlich schnuckeligen Australier, kennengelernt hatte, unterhielt ich mich im Wohnzimmer mit den beiden Hostel-Mädels, wir aßen zusammen und das heutige Abendprogramm lautete: the Hostel watches „Britain's Got Talent“-Halbfinale. Ich kam erst sehr spät ins Bett.

Ach ja, fast vergessen: Meine wichtigen Zusatzinformationen für Edinburgh-Interessierte: Partnerstädte sind München, Florenz, Nizza, Kiew, Vancouver und einige mehr. Berühmte „Kinder der Stadt“ sind u.a. Arthur Conan Doyle (Schriftsteller), Daniel Rutherford (Chemiker), Sean Connery (Schauspieler) und Tony Blair (ehemaliger Premierminister Großbritanniens, der in Edinburgh geboren wurde, aber einen Großteil seiner Jugend in Durham verbrachte).

1 Kommentar 3.6.08 18:42, kommentieren

Newcastle upon Tyne

An meinem dritten und letzten Edinburgh-Morgen am 29.05.08 schien doch tatsächlich wieder wunderbar die Sonne und so konnte ich meine Aussicht aus dem Zugfenster bald später noch mehr genießen: Blick aufs Meer! Mein Zug fuhr eine ganze Weile an der Küste entlang, bis er schließlich südlich „abbog“ und nach etwa eineinhalb Stunden mein heutiges Reiseziel erreicht war: Newcastle upon Tyne!

Ich machte mich gleich auf die Suche nach dem Hostel und nachdem ich wie meistens trotz Stadtplan in die falsche Richtung gelaufen war (man muss aber auch sagen, dass die Engländer wirklich extrem an Straßenschildern sparen!), fand ich es schließlich in der Grainger Street – sehr zentral! Zu meiner Überraschung begrüßte mich die Rezeptionistin mit Namen; ich weiß immer noch nicht, wie sie das hinbekommen hat. Wahrscheinlich ein Zufallstreffer, weil nicht soo viele neue Leute an diesem Donnerstag einchecken wollten.

Kurz nachdem ich ein bisschen das nett eingerichtete Haus erkundet und mein Zimmer bezogen hatte, machte ich mich auf in die Stadt!
Zuerst ging ich in die Kirche in der selben Straße (Pfarrkirche des hl. Johannes d. T.) und dann in Richtung der Schlossruine, durch die ich durchspazierte. Ich fand den Weg zum Fluss Tyne, der durch die Stadt fließt – wie der Name schon sagt – und überquerte ihn über eine der vielen Brücken, für die Newcastle bekannt ist. Auf der anderen Seite lief ich vorbei an einem futuristisch silberfarbenen Glasgebäude, das sich als Konzerthalle „The Sage“ entpuppte, und landete bei „The Baltic“, einem Museum für zeitgenössische Kunst, das in einer ehemaligen Mühle untergebracht ist. Ich schaute mir alle Ausstellungen an, die auf verschiedenen Ebenen verteilt waren (u.a. Kunst von Bharti Kher, Mariko Mori und eine als „Double Agent“ bezeichnete Ausstellung von jungen Künstlern in England). Es war sehr interessant, obwohl ich mich meist ja doch – wie ihr ja vielleicht schon bemerkt habt – eher zur „klassischen Kunst“ bzw. Bildern, auf denen man etwas erkennen kann, hingezogen fühle.
Vom Fünften Stock des Gebäudes hatte man eine Supersicht auf Newcastle.

Gleich nebenan war die Gateshead Millennium Bridge, über die ich zurück auf die andere Seite Newcastles ging und mich mit einem kleinen Picknick ans Ufer setzte. Dabei bekam ich Besuch von einer Taube, die sich wahrhaftig neben meine Füße auf den Boden LEGTE! Die meisten Leute, die vorbei kamen, schauten etwas komisch und ein älterer Herr sprach mich sogar an „Oh, look, you've got a friend!“. Da sie mir so nett Gesellschaft geleistet hatte, hinterließ ich dem offensichtlich schon ein bisschen altersschwachen Tier einige Krümel meines kalorienreichen Schokocookies und machte mich auf den Weg zurück in die Innenstadt.

Ich passierte die Kirche „All Saints“ und das Grey's Monument und besuchte die Laing Art Gallery. Besonders interessant fand ich eine Kompilation von Kunstwerken zum Thema Liebe, u.a. von Chagall, Vermeer, Holman Hunt... (Flirtation, disappointment and intimacy are among the themes explored in this new National Gallery touring exhibition, which looks at the ways artists have responded to the pains and pleasures of love over the centuries.) „Secret piece III“ war Yoko Onos Beitrag, der im Prinzip aus drei großen weißen Leinwänden und einem Zettel von ihr bestand, auf dem sie die Besucher auffordert, eigene Notizen oder Fotos zum Thema Liebe auf die Leinwände zu kleben. Immerhin interessanter als manch andere Werke Onos, die ich nicht so ganz verstehen kann.
Ein Highlight der Galerie war schließlich eine weiße Skulptur Marc Quinns von 2001 namens „The Kiss“.

Nach meinem Ausflug in die Kunst lief ich langsam müde werdend durchs warme Newcastle. Ich fand eher durch Zufall einen Teil der Stadtmauer gegenüber von einem der Universitätsgebäude und schlenderte anschließend ein Weilchen durch Newcastles Chinatown, von dessen Existenz ich bis dato nichts gewusst hatte. *g* Schließlich ging ich noch in die St. Nicholas' Cathedral und ruhte mich nach meiner Besichtigung auf einer Bank davor aus und rief mal zu Hause an, um zu sagen, dass es mir gut geht. Da direkt eine Hauptstraße dort vorbeiführte, stellte sich das Telefonieren als gar nicht so einfach dar.

Später zurück im Hostel aß ich was und schaute eine Folge Simpsons im großen Aufenthaltsraum, bevor ich mich auf den kommenden Tag vorbereitete und es mir in meinem Zimmer gemütlich machte. *gähn* Diese Nacht war ich ganz allein im Zimmer, herrlich!

4.6.08 19:02, kommentieren

Durham

Am Freitagmorgen schlief ich erst einmal schön bis 9.20h – wunderbar! – und um 10.40h saß ich im Zug nach Durham.

Der Bahnhof dort liegt auf einem Berg, so dass ich erst einmal runter in die Stadt lief, wo ich als erstes den Fluss Wear überquerte, der die Stadt so ziemlich umschließt. Dann passierte ich ein Theater und kam ins Stadtzentrum zum Marktplatz, auf dem gerade Markt war. Ich hätte mir dort „Original aus Schleswig-Holstein“ Currywurst oder Bratwurst kaufen können! Ich finde es ja immer wieder cool, dass die Stände tatsächlich alle deutschen Begriffe benutzen. Ich hatte jetzt am Vormittag aber keine Lust, persönlich zu testen, ob es sich wirklich um gute deutsche Bratwürste handelte... Stattdessen suchte ich den Weg zur Kathedrale, die die Stadt (wieder auf einem Berg) überragt.

Die Lage auf einem Hügel erwies sich über die Jahre übrigens als durchaus praktisch für Durham. Beispielsweise 1006 und 1038 scheiterten Schotten in ihren Angriffen. 1069 wurden 700 Männer von Wilhelm dem Eroberer nach Durham geschickt, doch sie wurden von den einheimischen Sachen massakriert.
Im Mittelalter war Durham – wieder vor allem wegen der strategisch guten Lage, nämlich der Nähe zu Schottland – ein wichtiges kirchliches und politisches Zentrum (die Fürstbischöfe regierten hier relativ autonom).

Heutzutage ist Durham vor allem als Universitätsstadt bekannt. Nach Cambridge und Oxford wurde die University of Durham als dritte Uni Englands gegründet und sie genießt bis heute einen sehr guten Ruf. Während ich an diesem Freitag durch die Straßen spazierte, begegneten mir soo viele Studenten, unglaublich! Jedes dritte Haus im Zentrum ist ein Gebäude der Universität oder ein Studentenwohnheim. Wahrscheinlich gibt es dort mehr Studis als Einwohner, die Stadt hat nämlich nur insgesamt etwas unter 50000 Bewohner.

Aber nun suchte ich ja erst einmal noch nach der Kathedrale. Ich fand den Weg zur normannischen Durham Cathedral (erbaut 1093) auch bald und kaufte mir innen eine Broschüre, um auch zu wissen, was ich mir da anschaute. Es gab viel zu sehen, u.a. Mönchsquartiere, die Galiläakapelle, die Kapelle der neun Altäre, den Schrein des hl. Cuthbert von Lindisfarne (das Grab zog früher viele Pilger an und so entwickelte sich die Stadt um die Kirche herum) oder das Grab von Beda Venerabilis (genau der ehrwürdige Beda, von dem uns „unser“ apl. Prof. Dr. Jörg W. Busch in seiner Vorlesung über „Früh- und hochmittelalterliche Geschichtsschreibung“ berichtet hat!). Für die weniger Geschichtsinteressierten muss natürlich erwähnt werden, dass in der Kathedrale und dem dazugehörigen Kreuzgang Szenen für die beiden ersten Harry Potter-Verfilmungen gedreht wurden.

Nach meiner Besichtigung der Kirche wollte ich mir das Schloss anschauen, aber ich konnte das nur von außen tun, da es heute geschlossen war (teilweise wird es aber wohl sowieso als Studentenwohnheim genutzt). Stattdessen marschierte ich eben ein bisschen durch die Gassen und wollte ins Archäologie-Museum, aber es begegnete mir erst einige Zeit später, als ich schon dachte, ich sei völlig vom Weg abgekommen, weil es unten am Fluss total im Grünen lag. Das Museum of Archaeology war früher eine „Old Fulling Mill“ (eine Walkmühle) und erklärte mir nun alles über die Vorgeschichte Durhams, die archäologischen Funde und was man daraus schließen konnte.

Im Anschluss an diese Weiterbildung kaufte ich mir erst einmal etwas zu Essen und schlenderte ein bisschen über den Markt draußen und durch einen großen Indoor Market in einer historischen Markthalle. Meinen Durham-Besuch beschloss ich allerdings im modernen Einkaufszentrum, wo ich unmöglicherweise ein bisschen meinem Shoppingverlangen nachgab. *g* Mit ein paar Tüten beladen ging ich dann einen anderen Weg durch die Straßen Durhams zurück zum Bahnhof und stieg in den nächsten Zug zurück nach Newcastle, wo ich 15 Minuten später ankam und noch genug Zeit für einen netten Abend hatte!

2 Kommentare 4.6.08 23:13, kommentieren

Abend in Newcastle; Rückfahrt

An meinem verbliebenen Restabend in Newcastle besuchte ich der Vollständigkeit halber noch die katholische St. Mary's Cathedral und ich wollte in einem Geschäft endlich eine Tasche kaufen, die ich schon bei meiner Ankunft im Schaufenster entdeckt hatte, aber leider war der Laden schon zu. Mist! Zwischendurch bekam ich schon die „Panik“, ich könnte mir die Tasche nun gar nicht mehr kaufen, da ich irgendwie davon ausgegangen war, es sei Samstag, aber irgendwann fiel mir dieser kleine gedankliche Fehler noch auf (es war Freitag).

Zurück im Hostel unterhielt ich mich eine Weile mit der Rezeptionsfrau, die superlustig war und mich immer als silent lady bezeichnete, weil ich sie ein paar Mal wohl ziemlich erschreckte, als sie mich nicht gehört hatte und ich „aus dem Nichts“ auftauchte (ich renne ja auch nicht schreiend durch die Gegend wie manche andere). Inzwischen sind wir natürlich Freunde in facebook und ich habe festgestellt, dass sie 1. mein Jahrgang ist und 2. ich mir wohl nicht eingebildet habe, dass sie mit mir geflirtet hat, da sie interested in men and women ist. Oh Mann. Ich hoffe, sie macht sich keine Hoffnungen. Da ist bei mir nix zu holen. *g*

Anyway. Als ich nach dem Essen im Hostel Zähne putzen wollte, machte ich eine Begegnung, die meinen weiteren Verlauf des Abends verändern sollte: Ein Mädel war auch gerade in dem Bad, das gegenüber meines Zimmers lag, und wir kamen ins Gespräch. Nach 2 Minuten hatten wir festgestellt, dass wir deutsch reden können, da sie Schweizerin war, und nach weiteren 2 Minuten stellte sich heraus, dass wir am nächsten Tag im selben Bus nach London fahren würden! *lol* Wir beschlossen dann spontan, nun noch zusammen auszugehen, da Newcastle anscheinend für das interessante Nachtleben bekannt ist.

Biancas (nach ihrem Namen hatte ich vorher ganz vergessen zu fragen) Zimmernachbar entschied dann, sich uns anzuschließen und so zogen wir drei einfach mal los.
Wir machten uns auf die Suche nach einem relativ ruhigen Pub oder so was. Zunächst landeten wir aber in einer Bar, die nicht wirklich ruhig war. Nachdem wir uns eine halbe Stunde angeschrien hatten, setzten wir unsere Suche fort und uns begegneten schon die ersten verrückt aussehenden Leute.

Während hier in Newcastle früher eine der römischen Festungen entlang des Hadrianswalls (Pons Aelii) stand, merkt man von Derartigem heutzutage nichts mehr – zumindest nicht im Nachtleben. Dass Newcastle kulturell im Aufwind ist, hatte ich gehört (alte Fabriken usw. werden umfunktioniert zu Theatern oder Museen), aber irgendwie war es an mir vorbeigegangen, dass die Stadt wohl DIE Feierstätte des Nordens ist. Viele Leute kommen hierher, bevor die heiraten und Kostümpartys sind offensichtlich ein absolutes Muss.

Gut, also, wir fanden nach 2 weiteren Versuchen (bei diesen Clubs drehten wir allerdings direkt auf dem Absatz um, da uns die Musik schon entgegenkam) endlich ein Retro/Swing/Jazz-Café, in dem wir uns niederließen und uns nacheinander Runden schmissen. Wir unterhielten uns super und lernten uns auf diese Weise ein bisschen kennen (so gut das eben an einem Abend geht). Der Zimmernachbar heißt übrigens John, kommt aus Kanada und ist 28, während Bianca erst 20 Jahre auf dem Buckel hat.

Im Laufe des Abends entdeckten wir, dass das Café noch einen zweiten Stock hatte, in den wir auch umzogen, da unten eine Jazzband ohrenbetäubend laut zu spielen begann. Oben befand sich eine Tanzfläche und eine Gruppe junger Leute tanzte! Richtig „herkömmliches“ Tanzen. Wir waren absolut fasziniert und schauten ihnen laange zu. Wir überlegten auch, wer die Menschen wohl seien und als wir eine ältere korpulente Frau – ebenfalls rasend schnell tanzend – dazwischen entdeckten und diese sich kurz darauf an unseren Nebentisch setzte, fragte ich sie einfach mal. Sie erklärte uns, dass das, was getanzt wurde, Swing war und die jungen Leute Mitglieder der Swing Society der Newcastle University waren. Aha!! Deshalb waren die also so gut! Sie zeigte uns dann auch gleich einige Schritte und holte noch einen der Studenten dazu. Aber während sich John mutig mit der Dame aufs Parkett stürzte, trauten wir uns das nicht zu. Es war natürlich auch zum Totlachen, da John zwar begeistert, aber nicht wahnsinnig begabt war!

Zur Info: Der Swing begann in den 1930ern in den USA und damit wird eigentlich eine ganze „Familie“ von Tänzen bezeichnet. Da ich selbst nicht mehr weiß, muss ich gerade mal das Onlinelexikon zitieren: „Die Energie des Tanzes, die jazztypische Improvisation und die Offenheit für andere musikalische und tänzerische Einflüsse hat zu einem weiten Spektrum an typischen Bewegungselementen geführt, das sich bis heute weiter entwickelt und erweitert. Der Swing wird meist auf acht („eight-count“, v. a. Lindy Hop, Charleston, Cakewalk, Big Apple etc.), manchmal aber auch auf sechs („six-count“, v. a. East-Coast Swing) Zählzeiten getanzt.“

Wir blieben noch bis nach 0.30h in dem Café und machten uns dann auf den Rückweg zum Hostel. Zunächst legten wir aber noch eine Pause in der absolut gut besuchten Imbiss-Bude ein, in der Bianca und John etwas aßen und ich mir die anderen Leute ungläubig ansah. Es ist echt krass, wie diese Personen rumlaufen! Ältere Frauen tragen dieselben Minikleidchen wie die jungen, Männer laufen teilweise auch in Kleidern herum und nicht zu vergessen sind die bereits erwähnten verrückten Kostüme. Aber es bleibt dabei alles freundlich und beschwingt. Selbst die Betrunkenen scheinen nicht aggressiv zu sein. Die Straßen sind voll, einfach nur voller Menschen! Mitten in der Nacht!

Bald schlenderten wir vorbei an all diesen Leuten zum Hostel und setzten uns noch mal in die Küche. Erst ziemlich spät verteilten wir uns auf unsere Zimmer.

Nach einer verdammt kurzen Nacht traf ich Bianca in der Küche, aber bevor wir zusammen losgingen, düste ich noch schnell zu dem Musikladen, um mir die coole Tasche zu kaufen! Zum Glück wurde er auch gerade aufgemacht. Juhu!

Nach dem Auschecken im Hostel liefen Bianca und ich zum Busbahnhof und stiegen bald später in den National Express Coach nach London. Ich hatte diesen Bus gebucht, weil er vergleichsweise total günstig war, auch wenn ich dann von London aus noch nach Rugby gondeln musste.
Während der Fahrt unterhielten wir uns sehr nett, ich schrieb Tagebuch, wir dösten, hörten Musik usw. usw. Blöderweise standen wir auch noch über eine Stunde im Stau, so dass sich unsere Fahrtzeit mit halbstündiger Pause auf über 8 Stunden verlängerte, uah...

Um etwa 18.30h kamen wir in London Victoria an und trennten uns dort dann auch (natürlich hatten wir eMailadressen ausgetauscht).
Ich düste zur U-Bahn, die schrecklich voll und heiß war, in Euston rannte ich alle steilen Rolltreppen hoch und ich weiß noch immer nicht, wie ich das mit meinem Monsterrucksack, der über 20kg wog, überhaupt geschafft habe ohne danach zu Kollabieren. Ich musste mir noch schnell eine Fahrkarte kaufen und ich erreichte sogar meinen Zug nach Northampton. Da der Rugby-Bahnhof ja seit einigen Wochen am Wochenende wegen Bauarbeiten meistens geschlossen ist, musste ich nach Northampton und von da mit dem Bus weiter. In Rugby gönnte ich mir ein Taxi zur WG, immerhin war es auch schon 21h.

Bald später kam ich in die WG und war heilfroh, mein Riesenbackpack abzulegen – ich muss mir da aber wohl eingestehen, dass ich mir vielleicht nicht das 2kg schwere Buch über optische Illusionen, den Kurzmantel, die Jacke, die coole Tasche, die Hose, die Bluse und das T-Shirt hätte kaufen sollen *räusper* und jaa, ich BIN crazy about shopping! Ich hätte mir beinah einen Button gekauft, auf dem stand „Born to Shop“, aber dann dachte ich, nein, ich geh ja nicht NUR einkaufen und bin für viel Höheres geboren :D.

Jedenfalls unterhielt ich mich dann ein bisschen mit Marie und Maria, die beide die gesamte Woche im verregneten Rugby verbracht haben (krass, wie faul und vorausplanungsunfähig die sind und mir das dann als „Sie mussten relaxen.“ verkaufen wollen). Wir schauten die letzten Minuten von Britain's Got Talent und Sieger wurde das Kind, das wir favorisierten (unwichtig).

Am nächsten Tag habe ich hauptsächlich Wäsche gewaschen, für meinen Blog geschrieben usw. Seit Montag läuft wieder meine normale Arbeit, aber da die LXX noch immer study leave haben, habe ich ein bisschen weniger zu tun.

Heute war die vorletzte Deutschprüfung für A2 (also die allerletzte Abiturprüfung) und ich war furchtbar aufgeregt – ich habe meine vier „Babies“ nicht aus den Augen gelassen, bis es los ging. Hoffentlich ist es gut gelaufen.

Und sonst bin ich schon voller Vorfreude, weil mich morgen Tina besuchen kommt! Juhu! Ich werde dann sicher wieder einiges zu erzählen haben!


Bis dahin alles Liebe!!

5.6.08 00:26, kommentieren

Tina zu Besuch und Crispins Abschiedsfeier

Am Donnerstag, dem 05. Juni, holte ich Tina am Bahnhof ab! Wir kauften gleich ein bisschen zusammen ein und stürzten uns nach einer kurzen Pause in die Stadt. Ich führte Tina ein bisschen herum und zum Abendessen waren wir in Rupert Brooke.

Am nächsten Tag kam Christina mit in alle meine Stunden und wir hatten viel Spaß vor allem mit meinen kleinen F-Block. Zum Mittagessen ging's nach Sheriff und leider mussten wir danach sofort los düsen, weil ich für Crispin eine Prüfung beaufsichtigte. (Er hatte eine Rundmail an alle assistants geschrieben, ob ihm jemand aushelfen kann und ich war die einzige, die zurückgeschrieben hatte...) Tina ging solange in die WG. Später spazierten wir noch mal ins Stadtzentrum, packten ein wenig für morgen und machten uns einen Snack zum Abendessen.

Gegen 7.30h musste ich dann los: Crispins Goodbye Party! Tina konnte leider nicht mit, weil es ein Department-internes Ding war, aber sie war einverstanden, sich in Ruhe auf das WE vorzubereiten. Am nächsten Morgen erzählte sie mir dann, dass sie sich nur kurz aufs Bett legen wollte, um sich ein paar Minuten auszuruhen und dann war sie sofort eingepennt und wachte erst auf, als ich wiederkam um 0.30h herum! Hihi!


CRISPINS PARTY
... fand im Garten von Colette – also Rupert Brooke – statt und es kamen wirklich fast ALLE! Die Departmentmitglieder (ich glaube, nur die russische Assistentin, die einen Tag in der Woche vor den orals kam, war nicht da) waren gekommen und sogar Jennie (unsere Mentorin, die ihr krankes Baby ausnahmsweise in fremde Hände gab an diesem Freitagabend) und Malcolm, der letzte Head of Modern Languages vor Crispin waren da!

Es gab leckeres Essen (gegrillten Fisch, Hähnchen, Bratwurst, dazu jede Menge Salate, Brot, später Erdbeeren mit Sahne und Käse mit Kräckern und Obst – mjam) und die Gespräche waren toll (vor allem auch mit Malcolm, den ich ja noch nicht kannte, der aber total nett ist)! Ich „zirkulierte“ während des Abends, um mit allen mal zu reden, und schoss natürlich auch wieder einige Fotos. Es war richtig, richtig schön, fast wie ein Familientreffen. *g*

Erst nach 0 Uhr verabschiedete ich mich und es blieben immer noch einige Leute da.
Die Party war übrigens schon jetzt, weil Crispin kaum noch Zeit hat. Er wirkt als Regisseur/Organisationstalent/Castingleiter/Probenleiter bei einem Musical mit, das während des arts festivals hier an der Schule im Juli aufgeführt wird und nebenbei leitet er ja immer noch das Modern Languages Department und muss Vorbereitungen treffen für die Zeit nach ihm. Ach ja, und er zieht mitsamt Familie um in die Nähe Londons, lässt sich neben seinem neuen Haus ein Büro im Garten bauen (für das wir – die Departmentmitglieder – ihm einen 200 Pfund teuren Stuhl schenkten) und arbeitet an seiner beruflichen Zukunft (einer neuen Internetcommunity).


Anyway, am nächsten Morgen ging's früh raus: Tina und ich hatten uns schon für kurz nach 7h zum Frühstück verabredet und dann vergaßen wir beim ausgiebig Nutella-mit-Frischkäse-Toast-Essen die Zeit und mussten total zum Bahnhof hetzen. Wir verpassten trotzdem den angepeilten Zug um 3 Minuten und mussten fast eine Stunde auf den nächsten warten.
Und dann waren wir endlich in LONDON!

17.6.08 16:06, kommentieren