FAZIT


 

Tja, was ist nun mein persönliches Fazit meiner Zeit in England?

Auf jeden Fall sind die positiven Dinge überwiegend. Natürlich gab es anfangs etwas Heimweh, einige traurige Nachrichten aus der Heimat – und Problemchen in meinem Alltagsleben:

  1. Das Leben in einer WG, deren Bewohner man sich nicht ausgesucht hat! Vor allem die ersten Monate mit den Gappern Carissa und Bridie waren anstrengend...

  2. Maria, die sich mehr für den Fernseher, sich selbst und ihre Probleme interessierte als für alles andere. Sie ist ein superliebes Mädchen und sie hat mich beispielsweise immer bestärkt, Farben zu tragen usw., aber leider ist sie insgesamt eine ziemlich hohle Nuss... Es klingt hart, aber es ist wahr. (Ich weiß nicht, ob ich es mal erwähnt hatte, aber es war ihr u.a. entgangen, dass es in London Terroranschläge in 2005 gegeben hatte, oder sie glaubte überzeugt, dass alle berühmten Schauspieler Amerikaner sind, dass Amsterdam in Deutschland liegt, oder eine meiner „Lieblingsfragen“, die sie mir stellte “What is Malaria?“ – nur ein paar Beispiele...)
    Ich konnte also nur mit Marie wirklich gute Gespräche mit Tiefsinn führen. Aber da gab es ja noch ein anderes Problem:

  3. Marie's Freundin Laurianne, die ich hasste, weil sie eine arrogante, von sich selbst überzeugte, sich ständig in den Vordergrund spielende Zicke ist. Sie verstand es fantastisch, ständig über ihre Probleme zu sprechen und sich zu beschweren, aber NIE etwas dagegen zu unternehmen. Solche Leute kann ich ja echt gar nicht ab! Sie schaffte es, die aufkeimende Freundschaft zwischen mir und Marie von Oktober bis Mai zu unterdrücken. Marie selbst hat es irgendwann gemerkt, aber leider war sie zu schwach – oder vielleicht zu müde/faul?, um gegen die dominierende Laurianne anzukommen, denn Letztere hatte es bestens verstanden, sich überall einzumischen. Seit diese eingebildete Pute Rugby im Mai verlassen hat, ist mein Verhältnis zu Marie langsam aufgeblüht und bei unserem Abschied war ich ehrlich traurig, eine Freundin zu „verlieren“.

  4. Kein wirkliches Problem, aber ein Faktor für ein „erschwertes Arbeitsleben“ war eine meiner Schülerinnen, die ich 4 Stunden pro Woche im One-to-One-Unterricht hatte, mit der ich die komplette deutsche Grammatik durcharbeitete, sie aber – wenn ich sie heute fragen würde – keine Ahnung mehr davon haben wird. Durch ihre Leserechtschreibschwäche und Konzentrationsschwäche war nur ein kleiner Erfolg möglich und ich hätte gerne größere Fortschritte gesehen. Ich bin zu perfektionistisch.

 

Dafür haben mich aber alle anderen meiner Schüler stolz gemacht. Ich habe am Ende eine wirkliche Verbesserung feststellen können und das macht mich glücklich. Vor allem bin ich stolz auf „meinen“ F-Block, in dem manche Schüler unglaublich vorangekommen sind! Und natürlich freue ich mich über einen meiner Lieblingsschüler (Will), denn in unserer ersten Stunde wollte er gar nichts sagen und war schrecklich schüchtern – und nun rechne ich fest mit einem A in der mündlichen Prüfung, denn seine Präsentation war hervorragend und sein Akzent ebenfalls. Außerdem hat er Vertrauen zu mir gefasst und wir sind Freunde geworden – und dies ist mir bei fast allen meiner SchülerInnen gelungen. Das ist unbezahlbar!

 

Nicht nur meine Schüler haben mein Leben bereichert, sondern auch all die anderen wunderbaren Menschen, die ich hier getroffen habe! Allen voran Jan, Chantal, Kay, Alison, Colette, Liz, Noemi, Laura, Amy, Wanda, Marco, Rob, Jonathan, Crispin und später auch Marie.
Diese Personen haben mir sehr geholfen, mich während meiner Rugby School-Zeit sowohl als Lehramtsanwärterin als auch als Persönlichkeit weiter zu entwickeln und voranzukommen. Ich erinnere mich gut an ein Gespräch, das ich mit Noemi im Oktober 2007 hatte. Sie stachelte mich erst dazu an, alleine loszuziehen statt auf Marie oder Maria zu warten – wahrscheinlich hätte ich sonst ewig gewartet. Und so begann ich schnell frei nach dem Motto „Wenn du die Situation nicht ändern kannst, ändere dich selbst.“ zu handeln und bin auf diese Weise sooo viel allein herumgereist und habe Gefallen daran gefunden, unabhängig zu sein und nach Lust und Laune zu entscheiden.

 

Damit wären wir bei einem weiteren positiven Aspekt meines Auslandsjahres: Ich habe EINIGES von Großbritannien gesehen ( – und auch dabei neue Leute kennen gelernt)!
 
Ich war mit Marie in der Umgebung von Rugby (Leamington, Coventry, Birmingham und Wolverhampton), in Wales (Cardiff und Swansea) und in Südengland (Bristol, Bath, Exeter, St. Ives, Penzance, Plymouth, Salisbury, Stonehenge, Brighton, Rye).

Mit meiner Vorgängerin Caroline verbrachte ich einen tollen Tag in Chester und mit meiner Mama ein Wochenende im Lake District (Windermere und Lancaster).
Ich war mit Sylvia mehrfach in London (wo ich auch 1x allein, ein Wochenende lang mit Sonja und eines mit Christina war), wir fuhren nach Canterbury und wir verbrachten eine schöne Zeit in Irland (Dublin, Howth, Malahide, Portmarnock, Dun Laoghaire, Wicklow Mountains).

Durch Schulausflüge habe ich es nach Warwick, Stratford, Oxford, Cambridge und York geschafft und mit Hilfe von Maike, der dt. assistant in Eton, konnte ich Eton und Windsor kennenlernen.

Allein besuchte ich Manchester, Liverpool, Newcastle, Durham, Gloucester, Worcester, Leicester, Nottingham, Northampton (1x die Stadt und 1x das unvergessliche Erlebnis eines Live-Rugby-Spiels) sowie Sheffield (Snooker WM)! Unvergessen bleibt natürlich auch mein Ausflug nach Schottland (Glasgow und Edinburgh).

Ganz wichtig *g* ebenso: Dieses Jahr ging ich zum ersten Mal in meinem Leben allein ins Kino, ich bin erstmals allein zu Flughäfen gefahren und allein geflogen UND ich habe mein erstes und hoffentlich letztes Erdbeben mitgemacht.

Habe ich etwas vergessen? Es gibt natürlich noch viele weitere interessante Orte in Großbritannien, die ich noch nicht besuchen konnte, aber man muss sich ja auch was für die Zukunft aufheben. Wer weiß, vielleicht lande ich ja doch irgendwann in England – obwohl ich bisher noch keinen wahren Heiratskandidaten gefunden habe. *gg* Obwohl? Nein, nein.

 

An dieser Stelle möchte ich auch meiner Familie Danke sagen! Zunächst mal meinem Lieblingsonkel Alfons, der mich – wie ihr wisst – nach Rugby gefahren hatte, da war, als ich ins kalte Wasser springen musste und mich ständig via SMS zum Lachen brachte, über Frankfurt auf dem Laufenden hielt oder mir einfach nur zeigte, wie oft er an mich denkt (so wie ich an ihn)!! *Küsschen*

Mein Dank geht auch und ganz besonders an meine Mama, für die vor allem mein Start ins Auslandsjahr wahrscheinlich schlimmer war als für mich selbst. Wir haben oft geskypt oder telefoniert und so war ich doch irgendwie trotzdem da, oder? Ohne meine Mama, mein „Rohmodell“ , wäre ich sowieso nichts. Und ach ja, sie hat auch meine Rückfahrt finanziert.

Damit bin ich beim Dank an meinen Vater und Bernhard – ihr zwei habt EWIG auf deutschen, belgischen, französischen und englischen Autobahnen verbracht, um mich abzuholen und das werde ich euch nie vergessen! Und mein Bruderherz habe ich auch während des Jahres immer wieder genervt mit diversen Wünschen (ebay, Bilder bestellen, für mich bloggen, wenn die Seite mal wieder von der Schule blockiert war usw. usw.) – Danke für deine unermüdliche Geduld! Und last but not least Danke an Oma, die sicher eine der eifrigsten Leserinnen meines Blogs war, mich regelmäßig mit SMS, Postkarten, kleinen Überraschungen und Päckchen begeisterte! Ich weiß, dass du oft an mich denkst und das beruht auf Gegenseitigkeit!

 

Ich möchte mich zum Abschluss natürlich auch bei meinen treuen Lesern bedanken! (Klingt irgendwie lustig!) Der Sinn meines Blogs lag darin, euch daran teilhaben zu lassen, was in meinem besonderen Lebensabschnitt passierte, was ich unternahm und was mich bewegte, aufregte, erfreute...

Ich habe niemanden durch Massenemails gezwungen, mein Freud und Leid mit mir zu teilen, sondern den Interessierten ein Angebot unterbreitet, das IHR angenommen habt – im Gegensatz zu vielen anderen, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und sich keine Zeit zum Durchlesen meiner (manchmal vielleicht zu langen oder verwirrenden) Beiträge genommen haben.

Umso mehr freue ich mich, dass ich laut Statistik bisher immerhin fast 2600 Besuche hatte und ich danke auch noch mal besonders den fleißigen Kommentar-Schreibern sowie denen, die mir durch einen Eintrag im Gästebuch gezeigt haben, dass sie gedanklich bei mir sind! Thank you so much!

 
Ich werde mein Online-Tagebuch allerdings heute nicht abschließen – denn es wird garantiert noch weitere Kapitel der Geschichte „irene.in.england“ (+ im Rest Großbritanniens) geben!

10.7.08 16:11

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sylvia (15.7.08 19:43)
Bloß gut... Ich hatte ja schon Angst, dass du nichts mehr schreiben würdest. Was soll ich denn sonst lesen ;-)
Allerdings finde ich ja, dass du den Blog auf Amerika miterweitern solltest, für unseren New York Besuch *g*
Übrigens bin ich leider nächste Woche nicht da, aber für Urlaubsplanung im August/ September noch zu haben.

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